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Auf der Eider am 4. Dezember

Geschrieben am 04.12.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Eider, Westensee (Geändert am 05.12.2017)

Eider bei Klein Nordsee

Eider bei Klein Nordsee

Eigentlich war für das Wochenende trockenes Wetter vorher gesagt worden, aber das ist ins Wasser gefallen. Heute aber soll es den ganzen Tag sonnig sein, bei 5 bis 6 Grad und Wind bis 3 Bft. Also fahre ich am heutigen Montag paddeln!

Da ich längere Zeit nicht mehr dort war, fällt meine Wahl auf die Eider. So setze ich um 12:45 Uhr in Achterwehr in den Eider-Ring-Kanal ein.

Der Wasserstand ist recht hoch, und was ich hier noch nie erlebt habe: es strömt mächtig von der schmalen Eider in den breiten Kanal hinein! Dabei strudelt es und ich glaube es gurgeln zu hören, was natürlich nicht möglich ist.

Eider beim Westenseeausfluss

Eider beim Westenseeausfluss

Ich will gegen die Strömung bis in den Westensee hinein paddeln. Die ist so stark, dass ich fast bezweifle, es überhaupt dorthin zu schaffen. Mir wird recht warm, und das nicht nur, weil ich dick angezogen bin, sondern auch wegen der körperlichen Anstrengung. 

MIr bringt es Spaß, mein Kanu mit kräftigen Paddelbewegungen gegen den Strom vorwärts zu drücken. Fotografieren kann ich dabei allerdings nicht, obwohl es verlockende Motive gibt: ein großer Trupp Blesshühner ist unterwegs, und auf der Wiese bei Felde stehen mindestens hundert Graugänse. Über mir fliegen Dohlen, sich laut unterhaltend. Auf einem Ast einer großen Erle beim Gut Klein Nordsee hüpft ein Vogel umher, der wie ein Rotkehlchen wirkt. Er hat aber nichts Rotes am Gefieder! Ich habe keine Ahnung, welche Vogelart sich hier gerade präsentiert.

Graugänse

Graugänse

eine Kanadagans

eine Kanadagans

Unter der Eisenbahnbrücke strudelt es mächtig, so dass ich kaum gegenan paddeln kann. Es geht langsam, aber ich schaffe es. Danach ist die Strömung schwächer, da die Eider ein wenig breiter ist als zuvor. Ich spüre trotzdem die ungewohnte Anstrengung, denke für eine Sekunde ans Aufgeben. Aber dann sage ich mir: ich bin jetzt so weit, und es dauert nicht mehr lange bis zum Pausenplatz kurz vor dem Westensee, da kann ich doch nicht aufgeben! Später würde ich mich darüber ärgern.

Kurz vor dem See lege ich dann meine Pause ein: es gibt schwarzen Tee, und ich habe auch noch Obstsalat mit gemahlenen Nüssen und Haferflocken dabei, den Rest meines Frühstücks.

Das Anlanden ist nur mit größter Konzentration möglich, und da der Wasserstand sehr hoch ist, gibt es nur wenig Möglichkeiten zum umher wandern. Eigentlich gar keine. Aber es ist immer noch sonnig, und noch wärmen mich die Strahlen der Sonne.

Pausenplatz

Pausenplatz

Ausfahrt auf den Westensee

Ausfahrt auf den Westensee

Marutendorfer Bucht

Marutendorfer Bucht

Während ich im Stehen esse und trinke, höre ich das Gegluckse von Wasservögeln im nahen Schilf. Was mich dann aber besonders erfreut, sind die trällernden Rufe von Zwergtauchern! Ein Buntspecht turnt in einer der hohen, schlanken Erlen umher, bis er einen Platz findet, wo er laut nach Beute klopft. 

Nach meiner Pause will ich noch ein wenig auf den See hinaus paddeln. Während ich mein Kanu langsam bei etwas Seitenwind in südliche Richtung bewege, beobachte ich einen Schwarm kleiner Enten, die scheinbar aufgeregt vor dem Wald bei Marutendorf hin- und herfliegen. Es könnten Krick- oder Pfeifenten sein. Gleißende Sonne kommt von rechts, und zwei Höckerschwäne erheben sich aus den Reflektionen dieses tollen Lichtes langsam in die Luft. Aus Richtung Ahrensee kommen zwei Kormorane geflogen. 

Blick nach Westensee

Blick nach Westensee

Bucht bei Marutendorf

Bucht bei Marutendorf

Nach knapp einem Kilometer auf dem Westensee wende ich mein Kanu und paddle wieder zur Eider zurück. Ein Silberreiher fliegt ein wenig unruhig vor dem Erlengehölz am Ausfluss der Eider hin und her, als ob er sich setzen würde. Das macht er aber nicht, obwohl ich noch sehr weit entfernt bin. Als ich selbst am Abluss der Eider bin, lasse ich mein Kanu noch ein wenig auf dem See dümpeln, während ich dem Glucksen der Blesshüher im blassen Reet lausche. Auch die Zwergtaucher lassen sich hören. Zu meiner großen Freude höre ich dann noch für kurze Zeit das laute Quieken einer Wasserralle! 

Meine Welt ist in Ordnung, ich fühle mich sehr wohl mit dieser ungewöhnlich schönen Stimmung und all den Tieren um mich herum. Dann paddle ich langsam zurück - oder vielmehr lasse ich mein Kanu treiben, versuche sogar dann und wann, es zu verlangsamen. Als ich den ersten Zwergtaucher rechts am Ufer entdecke, lasse ich mich links ans Schilfufer treiben und halte an, was in der starken Strömung nicht einfach ist. Ich versuche, den ab und zu auftauchenden kleinen Wasservogel mit dem Teleobjektiv zu erwischen, was mir leider nicht gelingt. 

Wanderwegbrücke in Brandsbek

Wanderwegbrücke in Brandsbek

Kajakverleih Achterwehr

Kajakverleih Achterwehr

Noch ein anderes Tier gibt sich die Ehre: für einen ganz kurzen Moment sehe ich ein Stück braunen Rücken aus dem Wasser ragen. Mehr bekomme ich von diesem geheimnisvollen Wesen nicht zu sehen und denke, es kann eigentlich nur ein Bisam gewesen sein. Natürlich könnte es sich dabei auch um einen Otter handeln, aber so ganz kann ich das dann doch nicht glauben. 

Die folgenden Kilometer bis Achterwehr werden noch richtig spannend: ich mache Fotos von dem großen Trupp Kanadagänse. Ich beobachte auch noch weitere Zwergtaucher, wobei einer direkt neben meinem Kanu auftaucht, also kaum zwei Meter von mir entfernt ist. Die Sonne steht jetzt recht flach, und ihre Strahlen wärmen nun kaum noch. Zu meiner großen Freude kann ich auch noch einen Eisvogel beobachten, der mehrmals vor mir auffliegt und sich wieder auf einen Ast setzt. Auch ein Teichhuhn lässt sich direkt vor dem Ortseingang am rechten Ufer blicken.

Mit dem letzten Sonnenlicht erreiche ich die Einsetzstelle und klare alles zum Einladen auf. Ein anderer Paddler hat gerade beide Teile eines sehr langen Sperrholzkajaks verladen. Sie sind einzeln sicher 3,50 Meter lang! Über den Parkplatz fliegt ein großer Greifvogel. Es könnte ein großer Mäusebussard - aber auch ein kleiner Seeadler gewesen sein. Er war sehr schnell im Flug, und das spricht eher für einen Seeadler.

Dann bin auch ich abfahrbereit und mache mich auf den etwa 20 Kilometer langen Weg nachhause. Obwohl es fast Feierabendverkehr ist, komme ich ohne Stau zuhause an. Ich bin entspannt und glücklich! 

Auch wenn die Aktion, in der kalten Jahreszeit zu paddeln, manchmal ein wenig Überwindung kostet, ist das Ergebnis oft schönstes Naturerleben. Heute stimmte dies ganz besonders, und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Einsetzstelle Achterwehr

Einsetzstelle Achterwehr

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)