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Eine Morgentour auf dem Lanker See am Sonntag, den 17.September

Geschrieben am 17.09.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Holsteinische-Seenplatte, Lanker-See, Schwentine, Seeadler (Geändert am 19.09.2017)

Vogelinseln in Preetz

Vogelinseln in Preetz

Morgens gegen 9:00 Uhr setzen wir in Preetz an der Einsetzstelle Brunnenweg in den Kirchsee ein. Es ist kühl und diesig, aber recht still. Ein Eisvogel hat neben der Einsetzstelle auf einem dünnen Ast einer Weide gesessen und fliegt schnell zum gegenüberliegenden Ufer hinüber, während wir gerade einsetzen. 

Vom nahen Kirchturm schlägt es 9:15 Uhr, als wir die Schwentine gegen gute Strömung vom Kirchsee zum Lanker See hinüber paddeln. Auf der Fußgängerbrücke steht eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern, und alle drei sind sie begeistert, dass wir unter ihnen hindurch gleiten.

Wir treffen den ersten Graureiher und bald darauf den zweiten Eisvogel. Der hat es gar nicht eilig, fliegt langsam zu einer Weide und setzt sich in etwa 2,50 Metern Höhe ins Geäst, wobei er uns sein blau schillerndes Gefieder zeigt.

Graugänse in Aufruhr

Graugänse in Aufruhr: bei Seeadler-Alarm

Unser Ziel ist heute morgen zunächst die Bucht zwischen Gläserkoppel und Freudenholm.  Also paddeln wir vor der Vogelinsel Probstenwerder nach links. Als wir etwa 200 Meter gepaddelt sind, kommen plötzlich mit lautem Geschrei einige hundert Graugänse angeflogen und halten sich wild kreisend in der Luft, bevor sie sich wieder ein wenig beruhigen und auf dem Wasser zwischen dem nördlichen Ufer und den Inseln niederlassen. Wir denken sofort an einen Seeadler, und tatsächlich sehen wir für kurze Zeit einen umher fliegen. Bald dreht er ab. 

Da die Gänse das vor uns liegende Gewässer ganz für sich beanspruchen, überlegen wir, wie wir in die Bucht kommen sollen, ohne sie zu stören. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zurück und auf der Südseite der Vogelinseln entlang zu paddeln. 

Pausenplatz in Schellhorn

Pausenplatz in Schellhorn

Am Ufer der Vogelinsel sitzen auch Grau- und Kanadagänse, und wir hören einige Rufe, die von Limikolen stammen, vielleicht sind es Rotschenkel. Auch noch ein anderer Limikolenruf ertönt, und Gundula kann den kleinen Watvogel sogar entdecken, da er kurz auffliegt und sich ein Stückchen weiter am Ufer hinsetzt. Es könnte ein Waldwasserläufer oder ähnlicher gewesen sein. 

Auch ein Trupp Kiebitze überfliegt uns. Dann ertönt Motorengebrumm, und es erscheint ein Motorboot mir riesigen Bojen im Schlepp. Wir denken, es soll heute wohl eine Segelregatta stattfinden, und tatsächlich erscheinen nach und nach bis zu 30 Segeljollen auf dem Lanker See. Wind gibt es allerdings kaum... insgesamt bekommen wir von der Regatta nicht viel mit. Irgendwann sammeln die Leute mit dem Vereins-Motorboot die riesigen Bojen wieder ein.

die Freudenholmer Bucht

die Freudenholmer Bucht: im Lanker See

Wir paddeln südlich an den Inseln vorbei und stören die Gänse nicht. Zwischen dem Segelhafen der Gilde und dem Beginn der Halbinsel Freudenholm machen wir unsere Frühstückspause. Die Wiese hinter uns ist zwar total nass, aber am Spülsaum ist der Boden fast so hart wie Beton. 

Pflanzen wachsen hier nur zwergenwüchsig, etwa Weidenröschen, Sumpfvergissmeinnicht, Wasserminze und Dost. Viele Wasserschnecken liegen verstreut herum, haben zum Teil Formen und Farben, die ich noch nicht gesehen habe. 

Während wir im Stehen unser Frühstück verzehren, kommen schon wieder viele Graugänse vom Schaarsee herüber, in heller Aufregung. Dann sehen wir auch den Seeadler, der das verursacht hat. Er jagt noch eine kurze Weile, dann verlieren wir ihn aus den Augen.

Robustrinder für die Landschaftspflege

Robustrinder für die Landschaftspflege

Am Ende unserer Frühstückspause kommt bereits ein wenig die Sonne durch. Es wird spürbar wärmer. Wir paddeln in die Bucht zwischen Freudenholm und Gläserkoppel. Einige junge Leute in zwei Canadiern paddeln vorbei, später auch Ruderer. Am Ufer der Fachklinik sitzt jemand auf einer Bank, auf dem Bootssteg des Angelvereins kurz dahinter stehen mehrere Männer mit Angeln. 

Für eine kleine Pause landen wir am Ufer hinter dem Angelverein an. Die Wildnis dort gefällt uns sehr. Auf unserem Weg zum Ostende der Freudenhomer Bucht treffen wir am linken Ufer eine kleine Herde mit Robustrindern, die auch Kälbchen dabei haben. 

Wir werfen auch noch einen Blick auf die Badestelle des Campingplatzes Gläserkoppel. Dabei wundern wir uns, kein Firmenschild oder Schild zur Begrüßung der Gäste vorzufinden, die mit dem Kanu ankommen. Kurz unter der Wasseroberfläche sehe wir gerade noch rechtzeitig ein abgebrochenes Metallrohr. Dem weichen wir lieber aus.

Am südlichen Ufer paddeln wir wieder zum offenen Lanker See. Einem Silberreiher ist unsere Anwesenheit nicht recht: er wechselt seinen Standort. Nahe der kleinen Halbinsel sehen wir mit Grausen einen großen Stein unter der Wasseroberfläche im ansonsten steinlosen Wasser. Wir stellen uns vor, dass es hier bei niedrigeren Wasserständen und erst recht bei Wellengang zu Problemem kommen könnte, die man gerne vermeidet.  

In der folgenden kleinen Bucht halten sich viele Wasservögel auf, weshalb wir gebührenden Abstand halten.

auf einem sehr stillen Lanker See

auf einem sehr stillen Lanker See

Als wir den schmalen Seeteil zwischen den südlichen und dem nördlichen Lanker Seeteil erreichen, entdecken wir einige Silberreiher, die auf Weiden auf der westlichen Halbinsel sitzen. Wir sehen immer mehr, und am Ende zählen wir sieben. 

Auch ein Seeadler gibt sich auf dem Westufer die Ehre. Er hat auf einem Baum gesessen und zeigt sich kurz beim Auffliegen, um sich wieder auf einen Nachbar-Ast zu setzen. Danach ruft er längere Zeit. Später zeigt er sich noch einmal, als gerade einige Paddler in Kajaks aus Richtung Wahlstorf an uns vorbei paddeln.

Lanker See bei Preetz

Lanker See bei Preetz

Wir freuen uns sehr über die schöne Natur um uns herum. In der Wahlstorfer Bucht angekommen, finden wir gegen 12:30 Uhr einen schönen sonnigen Pausenplatz. Wir essen unseren Nudelsalat mit Frikadellen und genießen die Sonne auf der Picknickdecke. So halb eingedöst, bemerken wir plötzlich über uns kräftiges Rauschen: ein Seeadler fliegt in weniger als 10 Meter über uns hinweg. Na, das hat uns aber ordentlich aufgeregt!

Am Himmel türmen sich nun doch Wolken auf, und es gibt eine Gewitter-Vorhersage für den späten Nachmittag. Um unsere Fahrt weiterhin genießen zu können, brechen wir zeitig auf. Während wir so langsam es irgend möglich ist über den Lanker See paddeln, wird es um uns herum immer stiller, da kein Mensch mehr auf dem See ist.   

So erfreuen wir uns an der Stille und der spiegelglatten Wasseroberfläche. Kurz vor Preetz hören wir wieder mehrere Limikolen rufen. Die Graugänse werden auch lauter. Einen Trupp Kiebitze sehen wir über die Insel fliegen, und dann kreisen plötzlich etwa 30 Limikolen über die Bucht, bevor sie sich in Richtung Postsee entfernen. Wir können sie leider nicht identifizieren, aber sie sind recht groß.

Einsetzstelle in Preetz

Einsetzstelle in Preetz

Auch auf dem letzten Kilometer lassen wir uns immer noch viel Zeit. Außer ein paar  Tretbooten treffen wir niemanden. Gegen 15:15 Uhr treffen wir an der Einsetzstelle ein. Wir erlebten heute eine der schönsten Kanutouren überhaupt!

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)