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Plöner See bei Bosau

Geschrieben am 11.07.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Bosau, Großer-Plöner-See (Geändert am 12.07.2017)

Nach einer Woche mit sehr wechelhaftem Wetter ist für diesen Sonntag, den 9. Juli bestes Wetter mit wenig Wind vorher gesagt worden. Das erscheint mir geeignet, um eine Kanutour auf dem größten See Schleswig-Holsteins zu unternehmen: dem Großen Plöner See. Ich schlage als Einsetzstelle Bosau vor, Gundula ist einverstanden. Nach einer ungeplant und ungewohnt langen Anfahrt erreichen wir am frühen Nachmittag die Badestelle Bosau. Sie ist ein richtiger Strand und bei vielen Menschen der Umgebung und sogar der näheren Großstädte sehr beliebt, wie der Andrang auf dem großen Parkplatz beweist. 

klares Wasser im Großen Plöner See

klares Wasser im Großen Plöner See

Bevor wir unser Kanu auf den Bootswagen laden, um die 300 Meter zum Wasser zu rollern, essen wir erst einmal unseren mitgebrachten Nudelsalat und trinken Tee. Die Sonne scheint tatsächlich vom blauen Himmel, und die großen Pappeln auf unserem Parkplatz bieten uns einem angenehmen Halbschatten. Aber dann zieht es uns zum Wasser, und an einigen Kanus vorbei, die am Strand angelegt haben, schieben wir unser Holzkanu ins Wasser. Es ist recht trübe, angereichert mit kleinsten Schwebstoffen. 

Großer Plöner See

Großer Plöner See: in der Bucht vor Bosau

Während wir nahe dem Ufer entlang zum südlichen Ende des Großen Plöner Sees paddeln, wird das Wasser immer klarer, so dass wir bald eine Sichttiefe von mehr als zwei Metern feststellen können. Ein Standup-Paddler paddelt an uns vorbei. Einige Segler versuchen, mit dem wenigen Wind vom Steg auf den See zu kommen, was den meisten auch gelingt. Wir genießen die Stille, paddeln in etwa 100 Metern Entfernung an Privatgrundstücken und Stegen von Seglervereinen vorbei. Ich untersuche das Ufer, ob es noch irgendwo in dieser Bucht eine öffentliche Einsetzmöglichkeit finde, werde jedoch nicht fündig. 

Standup-Paddler auf der Bosauer Bucht

Standup-Paddler auf der Bosauer Bucht: auf dem Großen Plöner See

Wir paddeln an der Jugendfreizeitstätte Bosau vorbei und sind bei Stadtbek auf einmal wieder ganz nahe der zwar sehr schmalen, aber viel befahrenen Straße, die rund um den Großen Plöner See führt. Einige Motorräder verursachen dort erheblichen Lärm. Am Ufer des Campingplatzes Pehmerhörn stehen extrem viele Stege für Segelboote, und für eine Weile paddeln wir im Halbschatten der dortigen hohen Erlen. Auffallend viele Bachstelzen stehen auf den Stegen und auf Totholz, manche fliegen, sich behend jagend, in schleifenartigen Flugbewegungen umher.  Wir legen eine kleine Pause ein, genießen einen kleinen Snack und unseren Tee. 

Großer Plöner See bei Pehmerhörn

Großer Plöner See bei Pehmerhörn

Wir nähern uns dem Bereich, wo ein Renaturierungsgebiet bis an den See heran reicht. Ein Graben mündet in den See, eine große wildwüchsige Fläche wird seit einigen Jahren nicht mehr landwirtschaftlich genutzt und steht nun der Natur wieder zur Verfügung. Im Frühjahr haben wir dort von einem Wanderweg aus sogar Kraniche gesehen. Möglicherweise haben einige von ihnen dort sogar Brutmöglichkeiten gefunden. Die gesamte Fläche in der Größe eines Quadratkilometers ist nicht betretbar, kann weder von Land noch vom Wasser aus erreicht werden. Das sind doch beste Voraussetzungen dafür, dass sich dort wieder ein gut bevölkertes Biotop bilden wird. 

Bucht im Großen Plöner See

Bucht im Großen Plöner See: zwischen Nehmten und Bredenbek

Langsam weiter paddelnd, erreichen wir die Bucht, in der die Tensfelder Au in den Großen Plöner See mündet. Eine Schar Graugänse, einige Blässhühner, Haubentaucher und Höckerschwäne schwimmen nicht weit von uns langsam vor sich hin.Als die Graugänse alarmiert auffliegen, denken wir sofort an Seeadler, und tatsächlich fliegt kurz darauf ein großer Vogel vor uns. Als er sich auf seiner Jagdrunde aus der Sonne dreht, erkennen wir deutlich seinen kurzen, weißen Schwanz. Er kommt tiefer, dreht noch eine halbe Runde und verschwindet dann über dem Renaturierungsgebiet. Wir sind sehr glücklich über diese Darbietung!

Großer Plöner See bei Gut Nehmten

Großer Plöner See bei Gut Nehmten

Wir paddeln ganz langsam an den Gutshäusern von Nehmten vorbei und immer weiter, bis wir fast Godau erreicht haben. Da es bereits nach 16:00 Uhr ist, beschließen wir, quer über den fast glatten Plöner See wieder zum Strand nach Bosau zurück zu paddeln. Nur kurz legen wir vorher einen kleinen Landgang ein.

Nach gut 20 Minuten haben wir den See gequert, und da ein wenig Wind aufgekommen ist, paddeln wir ein wenig schneller am östlichen Ufer entlang. Fünf Kajaks kommen uns entgegen. Da der Wind gerade dreht, haben sie nunmehr Rückenwind, im Gegensatz zu uns.  

Bucht vor Bosau

Bucht vor Bosau

Bald erreichen wir wieder den Strand, der jetzt, nach 17:00 Uhr, schon bedeutend leerer ist. Wir setzen uns noch eine Weile in die Sonne, schauen den Kindern und Jugendlichen bei ihren verschiedenen Aktivitäten im und am Wasser zu: die einen segeln ein wenig umher, andere paddeln in einem Schlauchcanadier, die jüngsten sind mit Burgenbau und -bewässerung beschäftigt. Bald befestigen wir unser Kanu auf dem Bootswagen und rollen zum Parkplatz. Um die vielen Baustellen zu meiden, die wir auf der Hintour zu erdulden hatten, fahren wir eine Alternativstrecke nach Kiel zurück (über Ascheberg statt Bösdorf). Als wir zuhause nachrechnen, erweist sich diese Strecke als gleichlang mit der Baustellen-Strecke, wenn man die Umleitung hinzu rechnet.

Wir freuen uns über diesen schönen Tag, vor allem, da für die kommenden Tage wieder Regen vorher gesagt wurde.

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)