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Eine Abendtour auf der Recknitz bei Bad Sülze am 19. Juni

Geschrieben am 20.06.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Abendtour, Bad Sülze, Biber, Recknitz (Geändert am 16.07.2017)

Am heutigen Montag, den 19 Juni starte ich gegen Mittag in Kiel, um ins FlussInfo-Gebiet zu fahren und dort die Gegebenheiten vor Ort zu kontrollieren: Einsetz- und Umtragestellen,  Schleusen und Baumaßnahmen. Kurz vor Bad Oldesloe verlasse ich die Autobahn, um eine abgeschlossene Baustelle an der Trave bei Sühlen zu fotografieren. 

Mein nächstes Ziel heißt Bad Sülze: dort möchte ich eine Abendtour für meinen Privat-Genuss auf der Recknitz durchführen. Beim Wasserwanderrastplatz (WWR) neben dem Wehr starte ich gegen 19:15 Uhr. Es gibt auffallend viele Bremsen, gegen die ich mich zur Wehr setzen muss. Ich hole mir viele Stiche, verarbeite aber viele von ihnen auch zu Fischfutter.

große Binsen

große Binsen

Ich höre einen Schwarzspecht rufen, dann nehme ich auch Kraniche wahr. Bald erreiche ich die Wildnis, die sich in den vergangenen Jahren nach der Renaturierung gebildet hat: es wurden Flussschleifen wieder geöffnet, der breite Kanal immer wieder unterbrochen, nicht zugeschüttet. Einige Rohrsänger sind noch am Singen, und in recht niedriger Höhe segelt ein Rotmilan seine Runden. Im Wasser stehen hohe Binsen, durch manche Binsenbulte muss ich mittig hindurch. An den Ufern blühen Blutweiderich, Bittersüßer Nachtschatten, Wasserdost und Minze. Im Wasser schwimmen auch blühende Pflanzen, ich paddle an gelb blühenden Sumpfkresse, an Wasserschwaden, an Brunnenkresse mit kleinen weißen Blüten und an Mädesüß vorbei. 

die renaturierte Recknitz

die renaturierte Recknitz

Ich erfreue mich auch am Gesang einer Singdrossel, die hoch oben in einer kahlen Birke ihre Strophen darbietet und dabei Rohrsänger, Nachtigall und andere kleine Sänger nach Kräften imitiert. Aber ganz besonders schön empfinde ich das, was die Pirole heute Abend über das Moor schmettern: die Gelegenheit, einem Pirol zu lauschen, ergibt sich selbst für mich nicht so häufig und erfreut mich daher sehr!

waldiger Abschnitt an der Recknitz

waldiger Abschnitt an der Recknitz

Ich paddle bis kurz vor Schabow. Eine Kuhherde schaut mir interessiert hinterher, als ich umdrehe und den Rückweg antrete. Eine Ringelnatter ist auch noch unterwegs - sowie ein Schwanenpaar. Von ihren Jungen kann ich nichts entdecken, sie wurden wohl bereits zum Schlafen geschickt. Hinter einer Schilfwand hält sich ein Rehbock auf, dort befindet eine feste Wiesenfläche, wie ich aus Erkundungen hier im Frühjahr weiß.

üppige Pflanzenwelt an der Recknitz

üppige Pflanzenwelt an der Recknitz

Es dämmert bereits, und nun wird es richtig spannend: die ersten Biber sind zu hören. Bald sehe ich den ersten auch, er hockt knabbernd hinter einer Schwertlilienstaude an einer winzigen kahlen Stelle an der Uferböschung. Fotografieren kann ich ihn nicht, dafür fällt zu wenig Licht an die Stelle, wo er aktiv ist. Nur wenige Meter entfernt paddle ich an ihm vorbei, was ihn nicht im geringsten stört. 

die ersten Biber zeigen sich

die ersten Biber zeigen sich

Nur ein kleines Stückchen weiter sehe ich einen weiteren Biber, zumindest seinen Kopf: er schwimmt zwei Bootslängen vor mir und bekommt noch Gesellschaft eines zweiten Bibers. Einer der beiden bleibt bald darauf an einem seiner Fressplätze, während der andere weiter vor mir her schwimmt, bis auch er an einer Schilfstelle Halt macht. Ich versuche mich, ganz langsam paddelnd, an einem Foto, obwohl es bereits recht dunkel ist. 

ein Biber ganz nah

ein Biber ganz nah

Bis zu meinem Auto ist es nun nicht mehr so weit, und hocherfreut über meine Erlebnisse lande ich um 21:38 Uhr (laut meinem letzten Foto) an der Einsetzstelle an. Zwar bin ich sehr müde, aber auch unendlich beglückt, dass ich mich noch zu einer Abendtour durchringen konnte. Wie immer, habe ich besondere Stimmung genossen und ungewöhnliche Beobachtungen erlebt, während die meisten Menschen vor dem Fernseher gehockt haben und sich mit negativen Nachrichten haben abfüllen lassen.

zurück in Bad Sülze

zurück in Bad Sülze

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)