Kanu & Natur

ein persönliches Blog von

Schwentine am 30. Oktober

Geschrieben am 31.10.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Holsteinische-Seenplatte, Schwentine

Nach einer zehn Tage langen Paddel-Pause mit sehr ungünstigem Wetter haben wir am heutigen Montag endlich einmal wieder richtig gutes Paddelwetter. Gestern und vorgestern hatten wir sehr stürmische Tage, und für heute sind 10 Grad und Sonne bei Wind bis 3 bft vorher gesagt worden. 

Als wir am Bootshaus ankommen, fliegt aus einem niedrigen Obstbaum ganz in der Nähe ein Mäusebussard auf. 

Wir wollen auf der Schwentine vom Rosensee aus aufwärts paddeln und zurück. Auf dem Rosensee haben wir den Wind zunächst von hinten, er ist aber noch schwach. Einige Angler in Schlauchbooten haben am rechten Ufer seltsame Konstruktionen aufgebaut, es liegen sehr lange Schnüre parallel zum Ufer gespannt und auch im See.

Der Wasserstand ist recht hoch, und einige Baumstämme, die ich noch nicht kenne, treiben im See. Ein paar Enten und ein Graureiher beleben das linke Ufer. Als wir um die Ecke aus dem See heraus in die Schwentine paddeln, müssen wir eine Engstelle überwinden, die es bisher noch nicht gab und die durch neu umgestürzte Erlen verursacht wird. Es strömt uns mächtig entgegen. Gleichzeitig können wir mehrere Eisvögel beobachten. 

Auch beim "Stumpfen Eck", das nun folgt, liegen neue Hindernisse im Wasser: Totholz und angeschwemmtes Pflanzenmaterial. Die Buchen auf der kleinen Halbinsel tragen noch etliche bunte Blätter, und in der noch recht flach stehende Sonne leuchten sie in allen gelb- und Orangetönen.  

auf der Schwentine im Holzkanu

auf der Schwentine im Holzkanu

Die kommende Strecke werden wir auf mehreren hundert Metern sportlich herausgefordert: das Wasser strömt noch schneller, und durch einige frisch umgestürzte Bäume gibt es einige Engstellen mehr, die nur schwer zu überwinden sind. Mühsam kommen wir voran, Meter für Meter. Trotzdem lauschen wir den Rotkehlchen und erfreuen uns an der schönen bunten Herbstfärbung der vielen Buchen, die hier im Auenwald und auf den Hängen wachsen.

Als wir die gröbsten Hindernisse überwunden haben, legen wir links am Ende eines Altarms zu einer Pause an. Wir trinken einen Becher Tee, essen einige Kekse und entspannen uns. Um uns herum rufen Zaunkönige und Kleiber, und ein Rotkehlchen singt in der Ferne. 

Pause im Auenwald bei Gut Rastorf

Pause im Auenwald bei Gut Rastorf

Wir freuen uns sehr, diesen Ausflug heute zu unternehmen. Die Natur bietet so viele Schönheiten um uns herum, und obwohl wir diese Strecke mehrmals im Jahr paddeln, ist es wieder ein besonderes Vergnügen, hier sein zu dürfen. Es ist immer wieder anders.

Wir paddeln weiter, und schon aus der Ferne können wir erkennen, dass die Wanderwegbrücke über der Schwentine bei der Insel am Gut Rastorf durch den hohen Wasserstand nur wenig Kopffreiheit bietet. Aus etwa zehn Metern vor der Brücke können wir aber abschätzen, dass es gerade passen wird. Jeder legt sich flach über das Kanu, und langsam drücken wir uns nach vorne. Na, immerhin sind es noch fünf Zentimeter von der Nasenspitze bis zum Beton. 

die Schwentine beim Gut Rastorf

die Schwentine beim Gut Rastorf

Ein kleines Stück oberhalb der Brücke warten eine Gruppe Kajakfahrer und einige Leute in einem großen Canadier darauf, dass wir durch sind. Dann machen sie sich selbst auf den Weg, einer nach dem anderen. Wir drehen uns nicht um, wie es ihnen wohl gehen mag, hören jedoch ein lautes Knarzgeräusch. Das waren wohl die hohen Nasen dieses Canadiers. Nicht schön, so etwas.

Ab jetzt paddeln wir ohne Hindernisse die Schwentine weiter aufwärts. Rechts auf einer extensiv bewirtschafteten Weide halten sich Robustrinder auf, und ein Stück entfernt steht ein Silberreiher, von dem wir nur Hals und Kopf sehen. Der fliegt leider auf, als er uns bemerkt.

wilde Schwentine

wilde Schwentine

Ein weiterer Eisvogel schwirrt blitzschnell an uns vorbei. Am bisher total blauen Himmel zeigen sich nun einige weiße Wolken, die uns ab und zu beschatten. Da wir ein wenig durchgeschwitzt sind, ist die fehlende Sonnenstrahlung durchaus unangenehm. 

An der Pferde-Badestelle bei Bredeneek landen wir an. Durch den hohen Wasserstand gibt es hier gerade keinen Strand, und wir können ganz bequem an der Wiesenkante aussteigen. Während wir unseren Tee trinken und uns an Haferkeksen stärken, beobachten wir zwei Eichelhäher, die sich zwischen den hohen Pappeln, Eschen und Erlen am Rand eines angrenzenden Bruchwalds jagen. Dann erscheinen hoch oben noch zwei Greifvögel: der eine ist ein Bussard, was wir eindeutig erkennen können, als er sich uns nähert. Der andere könnte ein Seeadler gewesen sein, ich sah ganz kurz einen weißen Kopf. Da er sich aber schnell in Richtung Bredeneek entfernt, kann ich meine Beobachtung nicht verifizieren.

Pause an der Pferde-Badestelle Bredeneek

Pause an der Pferde-Badestelle Bredeneek

Auf Alexanders Fotokiste landet derweil eine mittelgroße Libelle und sonnt sich dort auf dem Schaummaterial, mit dem die Kiste beklebt ist. Eine weitere setzt sich auf einen etwas mehr als daumendicken Ast, der direkt am Ufer liegt und ein wenig über das Wasser ragt. Zwei weitere im Paarungsflug kommen hinzu. Sie werden immer wieder von der ersten attackiert, lassen sich aber nicht dauerhaft vertreiben. Zu schön ist wohl solch ein Sonnenplatz!  Es sind noch andere Libellen unterwegs, und eine dippt sogar immer wieder auf die Wasseroberfläche, als ob sie dort jeweils ein Ei ablegen würde. 

Mir fällt gerade auf, dass wir noch keinen einzigen Frosch gesehen haben. Wir vermuten, dass sie bereits ihre Winterunterschlupfe bezogen haben. (Sie graben sich entweder unter Wasser oder an Land ein).

die Schwentine im Herbst

die Schwentine im Herbst

Während die Sonne unsere verschwitzten Rücken trocknet, genießen wir unsere schöne Pause und erinnern uns an viele andere schöne Momente, die wir hier bereits erlebten. Nach einer Weile beschließen wir aber, bald unsere Rücktour anzutreten. Unsere Sachen sind schnell verstaut, und da ich erwarte, weniger anstrengend paddeln zu müssen, ziehe ich mich wärmer an.

Ohne zu paddeln, nur steuernd, kommen wir ganz gut voran. Eigentlich sind wir viel zu schnell, aber es kommt hinter manchen Kurven Wind von vorn, und er ist stärker geworden. Da kommt man nur gut um die Kurven, indem man paddelt. Während wir wieder zur Einsetzstelle am Rosensee zurück paddeln, sehen wir noch einen Buntspecht, einige Kleiber, Eisvögel und verschiedene Meisen. Zweimal können wir ein Eichhörnchen beobachten. Um die Hindernisse steuern wir engagiert herum, und auf dem Rosensee haben wir sogar Wellen. Das kommt hier selten vor. Der Wind weht mit etwa 4 bft, und wir müssen jetzt kräftig paddeln.

Halbinsel Stumpfes Eck

Halbinsel Stumpfes Eck

Auch diese kleine Anstrengung können wir ganz gut genießen. Entenvolk, einige Bläßhühner sowie zwei Kormorane halten sich am rechten Ufer und auf einer vor vielen Jahren umgestürzten Eiche auf. Obwohl wir mindestens fünfzig Meter entfernt sind, fliegen die Kormorane auf. 

Es wird lauter, wir nähern uns der Straßenbrücke und damit unserer Einsetzstelle. Noch beseelt von Freude über unsere schöne Kanutour, verladen wir Ausrüstung und das Kanu. 

Während wir die wenigen Kilometer nach Hause fahren, resümieren wir: die Schwentine, seit sehr vielen Jahren  unser Hausfluss, wird immer wilder. Jeder Sturm bringt mehr Hindernisse und die machen das Paddeln interessanter.

viel Strömung in der Schwentine nahe der Halbinsel

viel Strömung in der Schwentine nahe der Halbinsel

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)