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Auf der Schwentine in Kiel am 20. November

Geschrieben am 20.11.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Schwentine (Geändert am 02.12.2017)

Für meinen heutigen Paddeltag habe ich mir die Einsetzstelle Kiel Wellingdorf-Neumühlen an der Schwentine ausgewählt. Meine beiden anderen Optionen hätten laut der Wettervorhersage nur graues Wetter zu bieten, die Eider bei Achterwehr sowie die Plöner Seen. Bei Plön soll es sogar am Mittag Regen geben.

Es ist jetzt am späten Vormittag leicht sonnig, aber ab 15:00 Uhr soll es auch hier wieder Regen geben, wie die vergangenen Tage auch. Danach richte ich meine heutige Planung aus, ich werde also rechtzeitig zurück sein.

An der Einsetzstelle halten sich zwei Höckerschwäne sowie etliche Stockenten und Kanadagänse auf. Einer der Schwäne schwimmt direkt an die Slipstelle, an der ich einsetzen möchte. Offensichtlich hofft er auf Futter. Nach einigen ruhigen, aber ablehnenden Worten von mir schwimmt er wieder zum Pulk.

Ich rüste mein Holzkanu aus und lasse es ins Wasser gleiten. Es ist windstill. Ein Trupp von etwa 15 Kanadagänse kommt mir frontal entgegen. An ihren Bewegungen merke ich, dass sie sich nicht schlüssig sind, welche Richtung sie nun einschlagen wollen, um mir auszuweichen. Nach einigem Hin und Her queren sie die Schwentine direkt vor mir und kommen mir seitlich entgegen. 

Wanderwegbrücke in Kiel

Wanderwegbrücke in Kiel

Das Wasser der Schwentine führt viel Sediment mit sich. Der viele Regen der vergangenen Tage hat außerdem auch noch für ordentliche Strömung sowie einen recht hohen Wasserstand gesorgt. Einige Teichhühner flitzen über das Wasser, als ob sie laufen würden. 

Am Altarm des ehemaligen Freibads Vossenpott biege ich in die kleine Wildnis ein. Ein Graureiher sitzt auf einer Weide, und einige Stockenten halten sich auf der kleinen teichartigen Wasserfläche auf. Ich genieße ein wenig die Schönheit dieses Altarms der Schwentine und begebe mich dann wieder auf meine kleine Kanutour gegen die Strömung. 

Schwentine-Altarm in Kiel

Schwentine-Altarm in Kiel

Große Freude erfüllt mich, als ich an einer kleinen Lücke im Schilf vorbei paddle: ein Zwergtaucher lugt mit seinem Kopf hervor, eindeutig an seinem kräftigen Schnabel zu erkennen. Dann kann ich aber auch sehen, dass er keinerlei Prachtgefieder mehr trägt. 

Ich paddle unter der Eisenbahnbrücke hindurch und komme flott voran, so dass ich auch bald an der weißen Fußgängerbrücke ankomme. Dort halten sich sehr viele Stockenten auf, und die sind überhaupt nicht scheu: träge zur Seite schwimmend, lassen sie mir eine kleine Lücke, um zwischen ihnen hindurch zu paddeln.

die Schwentine im Herbst

die Schwentine im Herbst

Mein Plan ist, so lange aufwärts zu paddeln, bis die Sonne hinter den Wolken entschwindet. Nach einer Weile benötige ich eine Pause und lege an der kleinen Hundebadestelle bei Schönkirchen an. Während ich mein zweites Frühstück esse, schaue ich einigen Schellenten zu, wie sie in einiger Entfernung sich einander jagend vergnügen und dabei kräftig plätschern. Mein Eindruck ist, sie balzen bereits probehalber.

Am Wanderweg kommen ein junger Mann auf einem Fahrrad und eine nicht mehr ganz so junge Joggerin vorbei. Ein Mann im Kajak fährt langsam vorbei. Wir grüßen uns kurz und tauschen uns kurz über frische Hindernisse im Oberlauf auf.

kleine Hundebadestelle in Oppendorf

kleine Hundebadestelle in Oppendorf

Ich trinke noch einen Tee und steige wieder in mein Holzkanu. Die Sonne ist bereits von einem größeren Wolkenberg eingeschüchtert worden, aber noch dringen wärmende Strahlen zu mir. Lange kann es aber nicht mehr dauern, bis sie weg sein wird. 

Ich paddle noch etwa eine Viertelstunde die Schwentine aufwärts, bis ich wende und mit der Strömung zurück paddle. Da mir nach meiner Pause ein wenig kalt ist, greife ich kräftig zu. Tatsächlich ist die Sonne nun schon fast hinter der Wolke verschwunden.

Vor der Hundebadestelle höre ich aus dem Schilf zwei (!) Wasserrallen rufen. Sie rufen ähnlich wie ein Schwein quiekt, haben dazu auch noch kurze helle Laute im Angebot. Ich freue mich sehr. Sie leben ja sehr heimlich im Schilf und  man bekommt sie sehr selten zu sehen. In diesem Jahr sah ich erst zweimal eine Wasserralle, obwohl ich ihre Rufe sehr oft hörte. 

Eisenbahnbrücke in Kiel

Eisenbahnbrücke in Kiel

Nahe der weißen Wanderwegbrücke sehe ich dann auch noch zu meiner Freude einen Zwergtaucher blitzartig abtauchen, wie es so ihre Art ist. Zwei weitere kann ich kurz darauf dann noch am Schilfrand entdecken. 

Wieder muss ich mich durch einen Trupp Stockenten hindurch zwängen, und es ist auch noch ein Gänsesägermännchen dabei. Er trägt bereits sein leicht gelbes Wintergefieder.

Steilufer an der Schwentine

Steilufer an der Schwentine

Allmählich nähere ich mich wieder meiner Einsetzstelle. Dort unter der Brücke komme ich dann noch mit einem netten Paddler ins Gespräch, mit dem ich mich früher schon mehrmals unterhalten habe. Ich verlade mein Kanu sowie den Rest der Ausrüstung und trete dann meinen Heimweg an. Ich habe zum Glück nur wenige Kilometer zu fahren.

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