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Auf der Schwentine bei Klausdorf am 5. Dezember

Geschrieben am 05.12.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Schwentine

Teehaus in Klausdorf

Teehaus in Klausdorf

Gänsesäger-Weibchen

Gänsesäger-Weibchen

Für den heutigen Dienstag sind bis zu 9 Grad vorher gesagt, bei 4 Windstärken, in Böen bis 7 Bft. Die Temperatur gefällt mir sehr gut, der starke Wind weniger. Aber ich will paddeln, das Kanu ist von gestern noch auf dem Autodach. 

Ein See kommt nicht in Frage, also wähle ich meinen "Hausbach", die Schwentine. Wegen des hohen Wasserstands kann ich ganz bequem an der Badestelle Klausdorf (neben dem Kanuclub) einsetzen. 

Die Schwentine strömt mächtig, und auf den ersten 500 Metern habe ich kräftigen Wind, der mal von vorn und dann wieder seitlich drückt. Während ich kräftig durchziehe, lausche ich  den Rufen zweier Bussarde. Sehen kann ich sie nicht. 

 

die Schwentine bei Klausdorf

die Schwentine bei Klausdorf

Ich paddle rechts um die Insel herum, und in einiger Entfernung erkenne ich zwei Wasservögel: es könnte ein Schellentenpärchen sein, oder Gänsesäger. In deren Nähe halten sich noch etwa 15 Stockenten auf, Weibchen und Erpel. Die sind eher ein wenig ängstlich, aber die beiden anderen (Grau und weiß) lassen mich tatsächlich nahe heran kommen. Es sind Gänsesäger, und das Männchen hat bereits seine leicht gelbe Winterfärbung. 

Ich mache einige Fotos, was nicht leicht ist, da Wind, Strömung und die Bewegung der Vögel ein gutes Fokussieren erschweren. Ich mache es, so gut es mir möglich ist. Am Ende kommen die beiden mir sogar entgegen, ich auf der stramm rechten Seite und sie am linken Ufer. 

Stockenten auf der Schwentine

Stockenten auf der Schwentine

Gänsesäger-Pärchen

Gänsesäger-Pärchen

Stellenweise habe ich so viel zu arbeiten, dass ich gar keine Fotos machen kann. Ich sehe ein Rotkehlchen, das auf einer abgebrochenen morschen Weide sitzt. Überhaupt sind etliche Bäume Opfer der letzten Stürme geworden, und das ist sicher noch nicht vorbei. 

Ich paddle immer weiter aufwärts, auch am Anleger der Schwentinetalfahrt vorbei. Allerdings ist ein paar hundert Meter oberhalb dessen bald Schluss für mich: die Strömung wird dermaßen stark, dass ich nur noch mit größter Anstrengung vorwärts komme. Der Wind wird auch immer noch stärker. Als ich aufgebe, halte ich mich noch eine Weile an einem Ast fest, der quer über die Schwentine ragt und zu einer umgestürzten Esche gehört. In einem Moment der Unkonzentriertheit reissen Strömung und Wind mein Kanu herum und es dreht sich bereits in Richtung Heimat. Ich gebe nach, bevor ich noch zu kentern drohe und lasse mich zum Anleger hinunter treiben. Dort lande ich an und lege eine kleine Pause ein. 

gurgelnde Strömung auf der Schwentine

gurgelnde Strömung auf der Schwentine

Das Holz des Anlegers ist total glatt, eine Schicht Algen bedeckt die Bohlen. Ich trinke meine Tee und esse ein wenig. Lange dauert meine Pause nicht, da der Wind mir zu ungemütlich ist. Als ich wieder abgelegt habe, höre ich die Rufe eines Grünspechts. Dann sind auch Schwanzmeisen zu hören. Leider bekomme ich sie nicht zu sehen. 

Ein Rennkanute kommt mir entgegen, man kennt sich. Er grüßt aber nicht, muffelt nur unfreundlich. Auch das kenne ich schon. Am Durchstich an der Insel treffe ich die beiden Gänsesäger wieder, und kurz darauf sehe ich ein Reh am rechten Ufer auf der Wintersaat. Schnell versteckt es sich hinter einem Gehölz. Ein Zaunkönig huscht über eine Erlenwurzel dicht über dem Wasser. Für ein Foto ist er viel zu schnell. Dann höre ich wieder den Ruf eines Mäusebussards: diesmal ist es nur einer, der oben im Sturm zu segeln versucht. Das macht er aber nicht lange. Bald dreht er ab und setzt sich auf einen dicken Ast.

Schwentine bei Flüggendorf

Schwentine bei Flüggendorf

Am Ende des Durchstichs sehe ich viele Wildschweinspuren, die vom Auenwald der Insel ins Wasser und rechts am Kornfeld wieder hinaus führen. Dort gibt es auch eine große Wühlstelle. Ich komme wieder auf den Hauptstrom der Schwentine und überlege kurz, ob ich noch ein Stück abwärts paddeln möchte. Da es aber immer windiger wrid, unterlasse ich es und bewege mein Kanu aufwärts in Richtung Einsetzstelle. Es ist nur ein kurzes Stück, aber es erfordert viel Kraft, da ich fast auf der Stelle paddle und nur mühsam vorwärts komme. 

An der Einsetzstelle (eigentlich Badestelle) angekommen, lasse ich es nun ruhiger angehen. Wieder höre ich einen Grünspecht. Als ich an Land bin und mein Kanu entlade, paddelt eine junge Frau ziemlich schnell vorbei. Mit viel geübten Bewegungen versorge ich Kanu und Ausrüstung und bin bald so weit, alles den kurzen Weg ins Bootshaus zurück zu bringen.  Ich bin froh, heute bei diesen milden Temperaturen draußen gewesen zu sein, aber es ist auch genug.

 

Badestelle in Klausdorf an der Schwentine

Badestelle in Klausdorf an der Schwentine

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)