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Westoder und Marienhofer Querfahrt

Geschrieben am 27.06.2017 in Kanutagebuch (2017) —   Marienhofer Querfahrt, Nationalpark Unteres Odertal, Oder, Oderpolder, Westoder (Geändert am 15.07.2017)

Am 27. Juni befinde ich mich in Garzt/Oder. Das Wetter ist ganz toll, und ich habe große Lust auf die Oder. Hier ist es die Westoder, und ich beschließe, über die Westoder und Marienhofer Querfahrt hinüber zur Ostoder zu paddeln. Eigentlich wollte ich dies von Friedrichsthal aus tun, aber die Zufahrt zur Oder in Friedrichsthal war gesperrt. So landete ich in Gartz, der nächsten Option zum Einsetzen.

Einsetzstelle in Gartz an der Westoder

Einsetzstelle in Gartz an der Westoder

Da ich nicht für das Einsetzen bezahlen will, wähle ich die alte Slipanlage bei der Fischern und setze dort in die Westoder ein. Ich fahre mein Auto stramm an die Grundstücksgrenze, damit es nicht im Weg steht. Der Platz ist aber öffentlich, man soll laut eines Schildes nur nicht auf dem Rasen parken.

Westoder bei Gartz

Westoder bei Gartz

Schnell ist mein Holzkanu einsatzbereit und ich habe noch zu essen und trinken gebunkert. Das Tag wird noch lang genug werden. An einigen Anglern vorbei paddle ich aus Gartz in Richtung Friedrichsthal. Die Oder ist recht glatt, ich wechsle die Seiten und paddle dann in einigem Abstand am linken Ufer. Auffallend viele Drosselrohrsänger lassen ihren sehr lauten Gesang ertönen, und ich sehe sie auch oft im Reet umher turnen. Ich höre noch andere Rohrsänger wie Sumpf-Teich und Schilfrohrsänger.  Auch diese lassen sich ab und zu beobachten. In der Ferne höre ich Kraniche, und dann sehe ich sogar einen über die Oder fliegen, hinüber zum polnischen Poldergebiet. Auf dem schmalen Vorland vor dem Oderdeich jagt ein Weißstorch. Von dieser Art gibt es hier in der Oder-Region ebenfalls viele. 

Graureiher an der Oder

Graureiher an der Oder

Ein Graureiher überfliegt mich und lässt sich am rechten Ufer nieder. Dort verläuft der Oder-Neiße-Radweg, und tatsächlich sind einige Fahrradtouristen unterwegs. Ab und zu fährt ein kleines Motorschiff an mir vorbei. Meist sind es Segler, die zum Stettiner Haffe hinaus fahren. Jetzt entdecke ich auch links von mir vor einer langen Kurve einen Graureiher auf einem Stück Totholz. Ich paddle einfach weiter, ohne mehr Abstand zu gewähren. Entgegen meiner Erwartung fliegt er nicht auf, sondern schaut nur zu mir herüber, wobei er seinen gesamten Körper zu mir dreht. Auf diese Weise sehe ich längere Zeit seine Vorderansicht, und diese ist sehr schmal. An solch einem Reiher ist nicht viel dran, denke ich. 

Abweigung zur Marienhofer Querfahrt in Sicht

Abweigung zur Marienhofer Querfahrt in Sicht

Der Graureiher lässt mich tatsächlich still vorbei paddeln und es stören ihn auch keine Klick-Töne von der Kamera oder dass ich sie auf ihn gerichtet habe. Er benimmt sich wie ein ausgebuffter Stadtreiher. 

Fröhlich erreiche ich die Abweigung zur Marienhofer Querfahrt bei Friedrichsthal. Ich bin jetzt reif für eine ausgedehnte Pause und will mich an einer Stelle niederlassen, an der ich bereits einmal war: neben einem Wehr, über das überschüssiges Wasser aus dem Nationalpark Unteres  Odertal in die Querfahrt strömt. Bald finde ich diese schöne Stelle wieder, und das Anlanden ist hier eine Freude. Eine umgestürzte dicke Pappel dient mir als Tisch und Bank, und in einer anderen Pappel nahe meinem Pausenplatz werden Jungstare in gewissen Abständen von ihren Eltern gefüttert. 

Pausenplatz am Fiddichoer Wehr

Pausenplatz am Fiddichoer Wehr

Ich genieße meine Pause sehr, esse und trinke und gehe ein wenig umher. Dabei kann ich einen Neuntöter auf einem kahlen Ast eines Hollunders beobachten. Er nimmt meine Anwesenheit nicht zur Kenntnis. Um mich herum blühen viele Sumpfpflanzen, und weiter oben zum alten Deich blühen Malven und andere Trockenrasenpflanzen. Eine große Zahl verschiedener Insekten und Falter fliegt und summt umher, und wenn es nicht so viele Stechmücken gäbe, wäre ich gerne noch eine Weile geblieben. Die aber lassen mich nur in der Nähe meiner alten Pappel in Ruhe, und so füge ich mich und bleibe dort.

in einem Nebengewässer in den polnischen Poldern

in einem Nebengewässer in den polnischen Poldern

Nachdem ich mich genügend erholt und satt gegessen habe, steige ich wieder in mein Canoe und paddle die Marienhofer Querfahrt hinab. Einen kleinen Abstecher mache ich noch in ein Nebengewässer, das ich durch eine verfallene Schleuse erreiche. Es ist dort total still, bis auf das Summen und Zirpen der Insekten. Obwohl es dort wunderschön ist, noch viel schöner als vor 9 Jahren, wo ich das letzte Mal dort war, folge ich meinem Plan und paddle nun ohne Unterbrechung zur Ostoder nach Widuchowa (Polen). In der Durchfahrt durch das Marienhofer Wehr herrscht kräftige Strömung, und ich nehme mir für meine Rückfahrt vor, dort so schnell und so gerade wie möglich hindurch zu paddeln. Aber erstmal bin ich auf der Ost-Oder, und mit dem Wind paddle ich ein ganzes Stück aufwärts. 

das Marienhofer Wehr ist in Sicht

das Marienhofer Wehr ist in Sicht

Der Nachmittag wird später, und ich denke daran, dass ich ja noch 9 Kilometer zurück paddeln muss. Das ist nicht gerade wenig, und nachdem ich mein Kanu gewendet habe, ziehe ich mein Paddel kräftig durch. Tatsächlich wird es durch das Wehr ein wenig stressig, und der Wind verursacht gegen die Strömung deutliche Wellen. Ich bin froh, bald aus dieser Strömung frei zu kommen. Die restlichen Kilometer spule ich ohne Pause einfach ab, und als ich in Gartz eintreffe, ist es bereits nach 18:00 Uhr. Beim Aufladen und Einräumen lasse ich mir viel Zeit, und es ist noch recht warm und sonnig. Noch diesen Abend will ich aber zur Feldberger Seenlandschaft hinüber fahren, dort die Nacht verbringen und dann morgen auf den dortigen Seen mein Paddel schwingen.

fast wieder zurück in Gartz an der Oder

fast wieder zurück in Gartz an der Oder: an der Westoder

Geschrieben in Kanutagebuch (2017)