Kanu & Natur

ein persönliches Blog von

Am 8. November auf der Schwentine bei Kiel

Geschrieben am 08.11.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Schwentine (Geändert am 09.11.2018)

Klausdorf am Dorfplatz

Klausdorf am Dorfplatz

Am heutigen Donnerstag soll es noch einmal schönes Wetter geben bei gut 10 Grad. Danach sollen einige sehr nasse Tage folgen. Ich will unbedingt aufs Wasser. Weit fahren möchte ich nicht, und ich will möglichst tolle Natur erleben. Da gibt es vor allem eines: die Schwentine auf dem Abschnitt, an dem ich von August 1971 bis November 1982 wohnte- bei Klausdorf (heute "Stadt Schwentinental").

auf der Schwentine

auf der Schwentine

Ich fahre zur Liegewiese neben dem Klausdorfer Kanuverein und setze dort ein. Ab und zu schaut mal die Sonne aus dem Wolkengemisch hervor, und dann lässt sie für jeweils nur sehr kurze Zeit die vielen gelben und orangenen Blätter der Rotbuchen, Hainbuchen und Eichen kräftig aufleuchten. Ich bemühe mich, möglichst viele meiner Eindrücke in Fotos zu sammeln.

Sobald das Sonnenlicht wieder hinter einer der dicken Wolken verborgen ist, mutet die Schwentine eher grau an und die Ufergehölze sind eher unscheinbar.

Gleichwohl lebt alles um mich herum:  etliche Stockenten sind unterwegs, und unter ihnen schwimmt auch eine große, weiße Ente. Sie ist ein Nachkomme einer Hausente, die hier 1971 ausgesetzt wurde. Auf einem frisch umgefallenen dünnen Eschenstamm steht ein Graureiher. Er ist relativ entspannt, aber ich muss ziemlich dicht an ihm vorbei, und vorher fliegt er dann doch noch auf. Ich habe es auch nicht anders erwartet.

kleine Pause an der Insel

kleine Pause an der Insel

Pause auf der Insel

Pause auf der Insel

Am südlichen Ende der Insel lege ich für eine kurze Pause an. Zum Glück ist die Insel wieder an dieser Stelle betretbar. Sie war durch Wildschweine doch recht stark zerwühlt. Als ich wieder ins Kanu steige, höre ich aus Richtung Oppendorfer Mühle einen Schwarzspecht rufen. 

Schwentine im Herbst

Schwentine im Herbst

Ich paddle auf die Kurve beim Beginn des Heegeholz. Sogar ohne Sonne leuchtet hier das Laub. Als ich näher heran paddle, kommt tatsächlich zu meinem Glück noch richtiger Sonnenschein. Ich versuche mich an einigen Fotos und verändere dabei oft die Position meines schwimmenden Gefährts. 

So schnell, wie die Sonne kam, ist sie auch wieder verschwunden. Ich paddle weiter die Schwentine aufwärts. Dabei fällt mir auf, dass die Erlen bereits ihre rötlichen Blütenknospen tragen! Auch an verwilderten Johannisbeeren sind sie schon zu finden, wenn auch noch ganz zart. 

Hell schlägt mein Herz, als ich neben einem großen Baumstubben eine wellenartige Bewegung im  Wasser sehe: ich vermute einen Zwergtaucher, und tatsächlich taucht einer dieser winzigen, aber sehr eindrucksvollen Wasservögel für ganz kurze Zeit aus dem Wasser. Ich bin ihm so nahe, dass ich seinen relativ großen Schnabel bewundern kann. Wie schön ist es, dass es diese tollen Vögel hier gibt!

kleine Pause an der Schwentine

kleine Pause an der Schwentine

Ich paddle am Anleger der " Schwentinetalfahrt" (Fahrgastschiff) vorbei. Einige Sekunden später gibt es wieder für ganz kurze Zeit ein Wolkenloch,  und ich genieße das Gold des Herbstes erneut für eine kurze Weile. Dafür steige ich auch noch einmal aus meinem Kanu, trinke einen Tee und lausche dem Gesang eines Rotkehlchens.

Nachdem ich wieder im Kanu sitze, bewege ich mich noch einige hundert Meter stromaufwärts. Ab hier fließt es tatsächlich auch richtig, so dass es doch noch etwas sportlich für mich wird. Stockenten vor mir fliegen auf, und aus den Gehölzen auf dem Gelände des Wasserwerks tönt das Klopfen eines Buntspechts.

Einmündung des Flüggendorfer Baches

Einmündung des Flüggendorfer Baches

Ein sehr großer Findling, der bei normalen Wasserständen gut überfahrbar ist, guckt nun etwa 10 cm aus dem Wasser. Ich paddle noch bis kurz vor die letzte Kurve, hinter der die Oppendorfer Mühle liegt. Da ich keinen Ast zum Festhalten finde, wende ich mein Kanu und lasse es langsam zurück treiben. Ein Zaunkönig teckert zuerst recht laut durch die Büsche, bevor er sehr niedrig über das Wasser zum rechten Ufer hinüber fliegt.

Der Himmel verdunkelt sich immer mehr, und für kurze Zeit sieht es sogar nach Regen aus. Ich mache noch ein paar Fotos ohne helles Sonnenlicht, und dann konzentriere ich mich auf die Umgebung, was trotz des nun nur noch grauen Wetters spanend bleibt. Z.B. huscht ein Teichhuhn-Weibchen um einen Stubben herum und verschwindet im nahen Uferbewuchs.

großer Findling im Wasser

großer Findling im Wasser

Westlich der Insel schwimmen wieder die Stockenten, die mit der "Hausente" unterwegs sind. An einem alten Erlenstamm scheint sich regelmäßig ein Schwarzspecht zu laben: die Löcher werden von Jahr zu Jahr größer, und bald wird der Stamm wohl flach liegen.

Ich entschließe mich, den Durchstich zu paddeln, und dieser künstlich angelegte Kanal wird immer natürlicher. Die Ufer sind in den vergangenen Jahren zerklüftet worden, und vom rechten Ufer strahlt mir bereits von weitem ein rot leuchtender Busch entgegen. Hier ist ein "Schneeball" richtig groß geworden, und er trägt noch reichlich von seinen knallroten Beeren.  

 

die Schwentine abwärts

die Schwentine abwärts

Ich paddle noch ein wenig in Richtung Kiel, bis es mir dann doch zu dunkel wird und ich meine Einsetzstelle ansteuere. Als ich dort aussteige, höre ich von der nahen Insel noch heftiges Grunzen. Es ist also bereits eine Rotte Wildschweine aktiv. 

Ich packe alles ein und bin froh, diese schönen Stunden auf dem Wasser verbracht zu haben. Mein Weg nach Hause ist nur 10 Minuten lang.

buntes Ufer  am Durchstich

buntes Ufer am Durchstich

Wurzel-Werke am Ufer

Wurzel-Werke am Ufer

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)