Kanu & Natur

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Am 9. September auf der Wakenitz

Geschrieben am 10.09.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Wakenitz (Geändert am 12.09.2018)

Einsetzstelle Rotenhusen

Einsetzstelle Rotenhusen

Den heutigen Sonntag wollen wir auf der Wakenitz verbringen. Es ist bereits 3 Jahre her, seit wir hier waren. Wir  haben auf dem Waldparkplatz ganz in der Nähe übernachtet, wo wir um uns herum einige Rotkehlchen mit einem Elternteil beobachten konnten. Aus der Umgebung waren Kranichrufe zu hören, es war ein schöner Morgen. Was fehlte, war die Sonne. Aber es war durchaus eine warme Nacht gewesen, um die 15 Grad.

Nach unserer Morgenroutine und einem netten Frühstück bringen wir Kanu und Ausrüstung zur Einsetzstelle in Rothenhusen hinunter und das Auto wieder auf den Parkplatz. Hier unten direkt an der Wakenitz gibt es keine Parkplätze. Wir haben einen guten Zeitpunkt erwischt, denn außer uns setzt gerade niemand anderes ein. 

Hopfen-Gestalt

Hopfen-Gestalt

Während wir starten, tropft es still aus den Wolken über uns. Laut Regenradar sollte die Regenfront durch sein, naja. Wir genießen die schöne Natur auf der Wakenitz, und es dauert nicht lange, da bekommen wir den ersten Eisvogel zu sehen. Da er vor uns einige Male auffliegt und sich immer wieder auf einen Ansitz setzt, haben wir ihn eine Weile in der Nähe. Wir bewundern am linken Ufer ein hohes Gebilde, dass aus einer toten Baumkrone besteht, die mit Hopfen total überwuchert ist.

Einige andere Paddler überholen uns, wir sind ja auch ganz langsam unterwegs, um alle interessanten Kleinigkeiten in der uns umgebenden Natur entdecken zu können. Es blühen nur noch vereinzelt die gelben, kugelrunden Teichrosen und einige wenige Seerosen. Da das Wasser recht klar ist, können wir oft kleinere Fische beobachten, wie sie zwischen Laichkraut, Wasserschwaden, Kanadischer Wasserpest oder Seerosenblättern hin und her schwimmen.

Wasserwanderer auf der Wakenitz

Wasserwanderer auf der Wakenitz

An einer Stelle am linken Ufer blüht ein großer Pulk der Kanadischen Goldrute. Sonst ist sie jetzt im Spätsommer kaum noch zu sehen, nur hier und dann gleich so viele! Allmählich wird es lauter, denn wir nähern uns der Autobahn A 20. Kurz vorher landen wir an der Wanderwegbrücke nahe Nädlershorst an, weil ich mal muss.

In einigen Miet-Canadiern sind Familien mit Kindern unterwegs, und es gibt erstaunlicherweise einige Kinder, denen unser Boot auffällt. Ab und zu fliegt ein Graureiher auf. Einige bleiben auch einfach stehen, was uns ja viel angenehmer ist. 

Kanadische Goldrute

Kanadische Goldrute

Während wir uns weiter in Richtung Lübeck bewegen, kommt uns auch das Ausflugsschiff entgegen. Es fährt langsam und verursacht kaum Wellen. Auf den Bänken des Schiffes sehen wir etliche ältere Leute sitzen. Einige winken, die meisten sehen glücklich aus. 

Von Zeit zu Zeit kommen bettelnde Stockenten an unser Kanu, aber sie begreifen schnell, dass sie nichts von uns bekommen. Eine ist ganz dunkel gefärbt und hat nur eine breite weiße Kehle und ein schmales weißes Halsband. 

auf der Wakenitz

auf der Wakenitz

Allmählich knurrt mir der Magen, und wir beschließen, an der Anlegestelle Absalonshorst eine ausgedehnte Pause einzulegen. Als wir dort ankommen, liegen bereits etliche Kanus auf dem Ufer und am Uferverbau. Wir lassen unser Kanu in den kleinen Stichgraben hinein gleiten und legen dort am Uferverbau an. Während wir unser Essen und Trinken genießen, interviewt uns einer der Paddler, die uns als Gruppe bereits überholten. Er fragt uns nach FlussInfo und erzählt überschwänglich, welche Touren er selbst bereits unternommen hat. 

Nebengewässer der Wakenitz

Nebengewässer der Wakenitz

die Chefin

die Chefin

Auf diesem Pausenplatz geht es doch schon recht städtisch zu. Der Stadtrand von Lübeck ist ja auch nur vier Kilometer entfernt, zur Innenstadt sind es noch etwa 8 Kilometer. Man unterhält sich hier eher laut, und zwischendurch bringt das Schiff neue Restaurant-Gäste.

Nach unserer ausgedehnten Pause wollen wir nach Rothenhusen zurück paddeln. Da die Sonne ein wenig durchgekommen ist, können wir nun im Wasser noch mehr Fische sehen als bisher. Sogar einen gut 20 cm langen Junghecht entdecke ich zwischen den Seerosenblättern kurz über dem gut sichtbaren Grund. Wir erfreuen uns auch an den schönen Durchblicken an mehreren Stellen auf die Nebengewässer, wo die Natur sich vollkommen ungestört entfalten kann. Natürlich fragen wir uns dabei auch, wer dort wohl alles so wohnt und uns verborgen bleibt.

Und weiterhin freuen wir uns über die Möglichkeit, hier so tief ins Wasser schauen zun können. Wir sind erstaunt, dass das Schiff nicht mehr Sedimente aufwirbelt, was zu unklarem Wasser führen würde. Das passiert aber nur auf dem letzten Stück vor dem Ratzeburger See. Gute Sicht unter Wasser ist für uns immer interessant!

Pause am Absalonshorst

Pause am Absalonshorst

Angelegt in Absalonshorst

Angelegt in Absalonshorst

Auf den letzten zwei Kilometern haben wir mehrere Eisvögel um uns herum. Einer bleibt sogar am linken Ufer auf dem kahlen Ast einer alten Pappelkrone sitzen, während wir am rechten Ufer vorbei paddeln. Eine Schwanenfamilie führt ihre zwei fast erwachsenen Jungen aus. Wo früher die Emu-Farm war, werden heute Gänse gezüchtet oder/und gemästet: ihre Rufe schallen laut zu uns herüber, lange bevor wir sie zu sehen bekommen.

Als wir in Rothenhusen aussetzen wollen, finden wir nur wenig Platz. Es herrscht ein ziemliches Gedränge, das noch durch Autofahrer verstärkt wird, die nicht lesen können und in den Weg hinein fahren und parken wollen, obwohl auf mehreren Schildern verkündet wird, dass es hier nicht geht und man den großen Parkplatz am Wald nutzen solle.

Es gibt auch einen genervten Familienvater, der nicht erwarten kann, dass die Anlegestelle frei wird und sich eine sehr unangemessene Stelle sucht, indem er im 90°-Winkel gegen den Uferverbau fährt und aus dem Kanu springt. Naja, jeder wie er mag.

Rothenhusen an der Wakenitz

Rothenhusen an der Wakenitz

Ich hole unser Fahrzeug vom Parkplatz, und als ich zurück bin, ist der Kanu-Verlade-Parkplatz für das vorübergehende Halten ziemlich voll. Es parken auch Leute, die hier nicht paddeln und Kanus verladen, sogar auf den Behindertenparkplätzen. Aber nach einer Weile, die wir voller Geduld ertragen, sind wir dann doch an der Reihe und können sogar recht nahe ans Ufer der Wakenitz heran fahren, so dass wir mit unserer Ausrüstung und dem Kanu nicht allzu weit zu tragen haben. 

Unsere Rücktour nach Kiel ist recht entspannt, und unterwegs schauen wir uns noch an der Trave eine Stelle an, wo ein Altarm wieder an die Trave angeschlossen wurde.

Ein schönes Paddelwochenende geht zu Ende, es ist das erste mit diesem gewissen Spätsommergefühl. Wir freuen uns bereits auf unsere kommende Tour, wo wir fast eine ganze Woche unterwegs sein werden.

kleine Pause an der Wakenitz

kleine Pause an der Wakenitz

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)