Kanu & Natur

ein persönliches Blog von

Anpaddeln 8. April 2018 auf dem Eider-Ring-Kanal

Geschrieben am 10.04.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Anpaddeln, Eider, Eider-Ring-Kanal

Auf dem Eider-Ring-Kanal

Auf dem Eider-Ring-Kanal

Wir hatten einen langen Winter, so dass ich seit dem 2. Januar nicht mehr gepaddelt bin. Für heute sind endlich andere Temperaturen vorher gesagt worden, so dass man auf die Idee kommen könnte, es würde einem zu warm werden. 

Gundula und ich beschließen, es ganz ruhig angehen zu lassen. Wir bereiten alles vor, Gundula hat CousCous-Salat (Taboule) mit Hähnchenfleisch gemacht und wir haben Tee eingepackt. 

Da es Sonntag ist, erwarten wir an verschiedenen Einsetzstellen größeren Andrang, und dem wollen wir uns möglichst entziehen. So wählen wir die ehemalige Schleuse Strohbrück als Startpunkt aus, auch wenn man dort nicht direkt mit dem Auto heran fahren kann.

Auf dem kleinen Quarnbeker See

Auf dem kleinen Quarnbeker See

Unsere Anfahrt verläuft ruhig, dauert aber auch fast eine halbe Stunde, da wir über die Dörfer statt der Autobahn fahren. Vom Parkplatz rollen wir mit dem Bootswagen die 300 Meter zur Einsetzstelle. Bei strahlend blauem Himmel und fast 22 Grad setzen wir ein. Vor uns hat gerade jemand mit einem Seekajak eingesetzt. Während wir uns ans Paddeln gewöhnen und den vielen Vogelrufen lauschen, entschwindet er bald in der Ferne. Keine Zeit, wir verstehen.

Ein Specht klopft im nahen Gehölz, wir hören Buchfinken, Rotkehlchen und Meisen. Auf dem Wasser sind Blesshühner noch mit Paarungskommunikation beschäftigt, und die Stockenten schwimmen pärchenweise in Ufernähe gelassen umher oder dösen in der Sonne.

Picknick am Pegelsteg

Picknick am Pegelsteg

Während wir ganz langsam den geraden Kanal entlang in Richtung Quarnbeker See schippern, fliegt quer von links ein kleiner Greifvogel über die Eider. Wir denken, es ist ein Falke. Etliche Graugänse sind auch unterwegs: einige schwimmen ruhig auf dem See, während andere aufgeregt durch die Lüfte brausen. 

Dann deutet Gundula plötzlich in die Luft und macht mich auf einen großen Vogel aufmerksam, der geradewegs über uns hinweg fliegt und die Richtung den Kanal entlang nimmt. Es ist ein Seeadler, und es scheint, als würde er zum Westensee fliegen. 

Wir sind natürlich aufgeregt und sehr erfreut, und wir beobachten ihn, so lange es die uns blendende Sonne erlaubt. Am Ende zischt er mit leicht angezogenen Schwingen segelnd von dannen. 

Pause am Pegelsteg

Pause am Pegelsteg

Wir paddeln noch ein Stück den Eider-Ring-Kanal entlang, als sich plötzlich der Hunger meldet. So halten wir nach einem Pausenplatz Ausschau. Es wird uns bald klar, dass wir noch fast zwei Kilometer paddeln könnten, bevor wir eine ordentliche Anlandemöglichkeit finden. Also suchen wir nach einer Alternative. Die beste erscheint uns, umzudrehen und in die kleine Bucht hinein zu paddeln, in der man zum Umtragen in den Flemhuder See anlegen kann. (Anmerkung: der Flemhuder See ist gesperrt...). 

Als wir dort ankommen, hat sich gerade ein Kajakfahrer nieder gelassen, und da wir lieber allein sein möchten, entscheiden wir uns für eine Alternative: der Steg am Pegel hat uns schon früher mal als Anleger gedient, und so nutzen wir ihn auch heute.

Er liegt zum Glück ein gutes Stück vom Wanderweg entfernt, der heute ganz gut frequentiert ist. Wir landen an und machen es uns gemütlich. Beim Sitzen ist es so warm, dass wir uns ein wenig ausziehen können. 

einfach mal in der Sonne sitzen

einfach mal in der Sonne sitzen

Wir genießen unseren CousCous-Salat und Tee, und dabei lauschen wir den Vögeln und freuen uns an der langsam erwachenden Natur. Schwertlilien sprießen aus dem toten Schilf, und größere Mengen kleiner grüner Blätter zwängen sich durch das abgestorbene und bleiche Sumpfgras. Vom gegenüber liegenden Ufer hören wir einige Töne, die wir  nicht deuten können: es ist eine Art Knarrzen oder Rasseln. Ist es womöglich eine uns unbekannte Wasservogelart? Es gibt ja immer wieder Überraschungen, wenn man sich in die Natur begibt.

Erst als die Sonne merklich tiefer steht, brechen wir zu unserer Rücktour auf. Dabei fällt unser Blick auf einen Rotmilan, der am Himmel in niederiger Höhe seine Kreise zieht. Ein zweiter Greifvogel ist ebenfalls zu sehen, und zunächst glauben wir an einen zweiten Rotmilan. Schnell müssen wir jedoch erkennen, dass es sich um einen Seeadler handelt, der nur noch ein Stückchen weiter entfernt kreist. Wir wissen nicht, ob es derselbe ist wie vorher.

Wir schauen ihm ganz lange zu, und er kommt näher. Zuletzt kreist er in etwa 30 bis 40 Metern Höhe über uns, bevor er aus unserem Blickfeld verschwindet. Uns ist schon fast schwindelig vom Schauen in den Himmel.

 

Umsetzstelle in den Flemhuder See

Umsetzstelle in den Flemhuder See

Quarnbeker See

Quarnbeker See

Beglückt lassen wir unser Kanu ganz langsam mit der Strömung in Richtung Schleuse ziehen. Dort beendet eine junge Familie mit zwei Kajaks und einem Schlauchboot gerade seine Pause. Wir landen an, schauen noch einmal in die Runde und verladen unser Kanu auf dem Bootswagen. Gemütlich rollen wir zum Parkplatz. Aus den umliegenden Gehölzen sind immer wieder Spechte zu hören. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal, an dem wir entlqang rollen, begegnen sich gerade einige Schiffe in der Weiche.

Es sind immer noch fast 20 Grad, als wir unsere Ausrüstung im Auto verstaut und das Kanu auf dem Autodach befestigt haben. Unsere Rücktour dauert nur etwa 25 Minuten, da wir über die Stadtautobahn fahren.

Wir sind nicht weit gepaddelt, und das war auch nicht unser Ziel. Aber wir haben es für ein paar Stunden ruhig und schön gehabt, darum ging es uns. 

An der Alten Schleuse Strohbrück

An der Alten Schleuse Strohbrück

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)