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Behler See am Sonntag, den 14. Oktober

Geschrieben am 14.10.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Holsteinische-Seenplatte, Schwentine (Geändert am 15.10.2018)

Start am Behler See in Timmdorf

Start am Behler See in Timmdorf

Bei über 20 Grad setzen wir mittags in Timmdorf in den Behler See ein. Mäßiger Wind kommt schräg von links, so dass wir den seitlichen Druck ausgleichen müssen. Also paddeln wir beide auf der rechten Seite, und schon geht es.

Es ist anfangs noch ein wenig diesig, aber bald haben wir strahlend blauen Himmel. Gundula und ich möchten es heute sehr ruhig angehen. Unser Ziel ist Erholung. 

Auf dem See steht ein Angler in seinem Kahn, und sonst sind nur Graugänse und Kormorane zu sehen. So wie der Dunst verschwindet, erscheinen die schön bewaldeten hohen West-Ufer  immer bunter. Lautes Brummen ertönt: es ist doch tatsächlich und für uns völlig unerwartet noch ein Ausflugsschiff unterwegs. Als es an uns vorbei rauscht, sehen wir ein voll besetztes Schiff. Naja, das Wetter ist ja auch traumhaft gut.

über 20 Grad am 14. Oktober

über 20 Grad am 14. Oktober

Kormorane über dem Behler See

Kormorane über dem Behler See

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Enge zwischen Behler See und Höftsee. Hier ist es recht windstill, und wir beabsichtigen, rechts an der Wanderweg-Pausenstelle anzulanden. Dort stehen Tisch und Bank, bestens geeignet für Entspannung und Nahrungsgenuss. Wir legen unser Kanu vor das gewachsene Ufer auf den Kies und packen unsere belegten Brötchen, unsere Muffins und den Tee aus. Damit wir es auch richtig bequem haben, sitzen wir auf unseren Boots-Sitzpolstern. 

Pausenplatz am Wanderweg in Plön

Pausenplatz am Wanderweg in Plön

Brötchen und Muffins

Brötchen und Muffins

Wir sitzen direkt am Waldrand und lauschen den Geräuschen, die hier von den Vögeln verursacht werden: wir hören Spechte klopfen, Kleiber rufen, Rotkehlchen singen. Ab und passieren Spaziergänger und Fahrradfahrer diese schöne Stelle, und für kurze Zeit haben wir Gesellschaft von einem älteren zusammen mit einem jüngeren Paar. 

Während wir essen, hechelt ein Hund auf uns zu und bettelt. Bald erscheint aber die Halterin und will den Berner Sennhund mit sich locken. Der möchte aber lieber leckeres gekochtes Ei oder Käsebrötchen. Natürlich  läuft er irgendwann hinter ihr her, aber als "gehorsam" würde ich sein Verhalten nicht bezeichnen.

Segelboot und Ruderboot auf dem Höftsee

Segelboot und Ruderboot auf dem Höftsee

Südliche Bucht im Behler See

Südliche Bucht im Behler See

Auf dem Wasser kommt bald das Ausflugsschiff vorbei, was uns dazu veranlasst, unser Kanu anzuleinen, obwohl es fast auf dem Trockenen liegt. Aber man kann nicht wissen, welcher Qualität die Wellen sind, die das Schiff verursacht. Jedenfalls fährt der Schiffsführer nicht langsam durch diese enge Stelle zwischen den beiden Seen Behler See und Höftsee. 

Einige Kajaks fahren vorbei, und dann zieht auch das erste Segelboot langsam von einem See zum nächsten. Als es den Behler See erreicht, fängt es ganz guten Wind ein und nimmt ordentlich Fahrt auf. 

vom Behler See zum Langen See beim Adlerhorst

vom Behler See zum Langen See beim Adlerhorst

Großer Warder im Langen See mit Graugänsen

Großer Warder im Langen See mit Graugänsen

Weitere Leute in Kajaks passieren diese Stelle, und ein zweites Segelboot kommt vorbei. Es ist mit zwei älteren Herren und einem Hund besetzt. Ein Angler rudert aus dem Behler See zurück in den Höftsee, und ein weiteres Ruderboot fährt bis hier und dreht dann wieder um. Es ist eine junge Frau, die mit ihren zwei kleinen Kindern rudert. Das Boot hat eine Aufschrift der Mutter-Kind-Erholungsstätte des Roten Kreuzes, das neben dem Kanuverein an der Ölmühle am Höftsee beheimatet ist.

Nach etwa einer Stunde  sitzen wir wieder in unserem Kanu. Wir wollen ganz langsam und möglichst im Windschatten des südlichen Behler-See-Ufers paddelnd die sanfte Sonne genießen. 

klares seichtes Wasser im Höftsee

klares seichtes Wasser im Höftsee

Langsam paddeln wir in Richtung Adlerhorst. Links von uns segeln mehrere Jollen sowie ein Katamaran. Das Ausflugsschiff zwängt sich zwischen uns und einer Jolle hindurch. Wir hätten kaum weiter zum Ufer hin paddeln können, da es dort flach und steinig ist. Das Segelboot hätte dem Schiff mehr Platz lassen müssen. 

Beim Adlerhorst wundern wir uns, dass dieses Ferienlager trotz der aktuellen Herbstferien verlassen aussieht. Wie im frühen Frühjahr hören wir auch jetzt Baulärm. Das ist wohl des Rätsels Lösung: es wird gebaut, da kann man keine Gäste haben.

Blick auf den Dieksee bei Timmdorf

Blick auf den Dieksee bei Timmdorf

Links von uns liegt die langgestreckte Vogel-Insel "Großer Warder", und dort geht es zu wie auf einem Flughafen: fast permanent starten und landen Wasservögel an den seichten Ufern. Es sind hauptsächlich Gänse. Einige einzelne Kormorane fliegen umher, und auch einige kleine Züge dieser tollen Vögel. 

Einige Kajakfahrer kommen uns entgegen, als gerade eine sehr kräfige Windböe um die Ecke pfeift. Einer von ihnen muss sehr kräftig paddeln, um seinen Kurs halten zu können. Wir selbst paddeln einseitig, bis der Wind wieder ruhiger ist. Ab hier, dem Beginn des Langen Sees, haben wir Wind, der ständig um bis zu 90 Grad dreht. Dadurch kräuselt sich das Wasser durch sich schneidende Wellen.  

Irgendwo vor uns quietscht etwas. Es ist eine Art schwimmende Rutsche, also ein Tretboot als Badeinsel und wird von einem älteren Pärchen angetrieben und gesteuert. Am linken Ufer steht auf einem sehr niedrigen Baumstumpf eine hellgraue, bewegungslose Figur. Es ist ein Graureiher, der einfach in der Nachmittagssonne steht und nichts tut außer hübsch auszusehen.

Kajaks auf dem Langen See bei Timmdorf

Kajaks auf dem Langen See bei Timmdorf

Zwischen dem Großen Warder und der Südspitze der Halbinsel von Timmdorf ist nur wenig Platz, und auf einer flachen Landzunge halten sich auch noch etliche Graugänse auf. Trotzdem fährt dort das Ausflugsschiff hindurch. Obwohl es fast direkt neben ihnen fährt, fliegen sie nicht auf. Sie scheinen es gewohnt zu sein.

Wir paddeln noch sehr langsam auf die Verbindung zum Dieksee hinzu. Ein weiteres Tretboot, das mit 4-5 Kindern und einem erwachsenen Mann beladen ist, dreht dort seine Runden und vollzieht interessante Manöver.  

Während wir noch einen Blick auf den Dieksee werfen, drehen die Kinder endgültig bei und fahren zu ihrem Bootschuppen zurück. Das Tretboot soll dort eingeparkt werden, und genau das gestaltet sich als nicht so einfach. Die Kinder finden einfach nicht die richtige Dosis Schwung. Mal ist es zu viel, mal zu wenig, und der Papa macht auch noch "irgend etwas" mit seinem Stechpaddel. Alle lachen oder kichern.

 

Behler See beim Gut Behl

Behler See beim Gut Behl

Ohne weiter auf die lustige Aktion zu achten, paddeln wir langsam über die enge Durchfahrt zum Behler See hinüber. Als wir an den Gänsen vorbei müssen, halten wir uns so weit wie möglich ans Ufer. Es ist sehr flach dort. Die Gänse tolerieren auch uns und stehen weiter in der Sonne. Der Reiher steht immer noch regungslos auf seinem Baumstumpf.

Wir lassen unser Kanu neben dem Ufer an Privatgrundstücken entlang durch das flache Wasser gleiten und beobachten dabei die verschiedenen Arten von Wasserpflanzen. Jemand unterhält ein Feuer und scheint Dinge zu verbrennen, die eigentlich woanders hätten entsorgt gehört. Die letzte Bucht kürzen wir ab, da dort intensiv gewerkelt wird, inklusive Baulärm. Das wundert uns dann doch sehr, wo hier alles teuer aussieht und reiche Leute doch eher dazu neigen, am Wochenende ihre Ruhe finden zu wollen. Naja, denke ich, nichts ist so, wie es zu sein scheint.

Abendsonne am Behler See

Abendsonne am Behler See

Wir wollen noch eine Weile auf dem See vor uns hin dümpeln und noch nicht so schnell zur Einsetzstelle zurück paddeln. Es ist gerade recht windstill. Lange dauert die Pause beim Wind allerdings nicht, und bald frischt er ordentlich auf. So wird es uns doch zu ungemütlich auf dem See und ein Bleiben würde Aktivitäten von uns erfordern. Es ist schon anstrengend genug, das Kanu zur Einsetzstelle zu steuern, da uns der Wind stark seitlich angreift.

Bald landen wir an und laden unsere Sachen aus dem Kanu. Da der Tag noch jung genug ist, setzen wir uns noch eine Weile auf eine Bank in die Sonne und genießen einige Muffins, bevor wir alles einladen und nach Hause fahren. 

Wassertemperatur 16 Grad am 14. Oktober

Wassertemperatur 16 Grad am 14. Oktober

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)