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Morgentour am 16. August auf dem Nebelsee

Geschrieben am 17.08.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Mecklenburgische-Seenplatte (Geändert am 21.08.2018)

Heute morgen stehen wir so früh auf, dass wir bereits vor 6:00 Uhr im Kanu sitzen. Es wird gerade hell, und die tagaktiven Tiere in der Natur erwachen.

Wir wollen eigentlich wieder vom Nebelsee in den Thüren und dort noch weiter in Richtung Müritz paddeln. Ein Gefühl treibt uns dazu, noch ein wenig auf dem Nebelsee zu verweilen, ja sogar ein Stückchen weiter auf den See hinaus zu paddeln. 

Ganz zarter Nebel liegt über einigen Buchten, und leicht violette Farbtöne verraten den bevorstehenden Sonnenaufgang. Es wird aber zum Glück noch eine Weile dauern, so dass diese Spannung vor dem Hellwerden noch ein wenig steigt. 

morgens auf dem Nebelsee

morgens auf dem Nebelsee

War es bisher noch recht still, von einigen Haubentaucher-Rufen abgesehen, beginnen nun plötzlich einige Kraniche zu trompeten. Sie sind am Boden, aber sie scheinen abfliegende Artgenossen zu verabschieden: die ersten Kraniche fliegen über dem Wald am östlichen Ufer auf. Sie kreisen noch ein wenig umher, als wären sie unschlüssig, wohin es heute zur Nahrungsaufnahme gehen soll. Einige einzelne große Vögel zeigen sich nun direkt über dem See und bald über uns. Es sind jedoch keine Kraniche, wie wir zunächst vermuten, sondern junge Seeadler. Es scheinen dieselben zu sein, die wir bereits auf unserer Abendtour zu Besuch gehabt haben.
 

Sonnenaufgang auf dem Nebelsee

Sonnenaufgang auf dem Nebelsee

Eine Weile bleiben wir noch auf dem Nebelsee und lauschen dem Kranichkonzert (mit Echo!), wobei die aufsteigenden Kraniche immer mehr werden. Ein Zug von etwa 15 Vögeln dreht noch einige richtige Runden über uns, bevor er sich in Richtung Müritz davon macht.

Dann starten auch wir, um in den Verbindungskanal zum See "Thüren" einzubiegen. Er ist nur etwa 150 Meter lang, und man kann den Ausgang gut sehen, da es dort heller ist als bei uns. Kaum sind wir da drin, bestaunen noch die bizarren Uferformationen aus frei gespültem Wurzelwerk und Stauden, hören wir plantschende Geräusche und sehen "etwas" den Kanal an dessen Ende queren, hauptsächlich Köpfe, große Köpfe. Es sind Wildschweine, eine ganze Rotte, etwa 8 Erwachsene und einige Frischlinge, die wir nicht zählen können. Bald sind alle am rechten Ufer angelangt, das allerdings nur aus schilfigem Sumpf besteht. Gespannt paddeln wir der Stelle entgegen. Da folgen noch einige weitere Schweine, und dann ist erst einmal Ruhe. Als wir die Stelle passieren, hören wir von links weitere Schweine, und rechts die angekommene Rotte. Mit viel Getöse und Geplatsche verziehen sie sich ein wenig vor unseren Augen ins dichtere Schilf und Weidengebüsch.

Wir geben ordentlich Gas und sind bald an der Stelle vorbei, voller Adrenalin. Hinter uns platscht es weiter. Nur ganz langsam verlässt uns die Spannung.

Dafür gibt es nun optische Sensationen: allmählich geht die Sonne auf, und als wir um eine Ecke herum sind, leuchtet sie durch die Gehölze und auch bald drüber hinweg. Etliche Entenvögel und die Schwanenfamilie, die wir bereits am Abend gesehen hatten, schwimmen nahe vor uns am Schilf vorbei auf den offenen See zu. 

Wir biegen in den nächsten See, wo sogleich ein brauner Greifvogel neben uns auffliegt: ein Schwarzmilan gibt sich die Ehre, seine Schwanzfedern sind recht zerzaust. Ein zweiter kommt ebenfalls hinzu, sie umfliegen uns eine Weile.

 

Sonnenaufgang über dem Tralowsee

Sonnenaufgang über dem Tralowsee

morgens auf dem Thüren

morgens auf dem Thüren

Auf diese Weise geht es aufregend weiter. Wir erleben Bartmeisen, die im nahen Reet nach Kleininsekten suchen. Dabei halten sie sich mit beiden Beinen an zwei verschiedenen Halmen fest. Wir lauschen einem Pirol und Grünspechten, hören dauernd Wasserrallen quietschen und kreischen und beobachten sogar eine ganz aus der Nähe am Schilfrand. Ein Turmfalke überfliegt uns.

Wir hören Vogelstimmen, die uns nicht bekannt sind. Als wir im Müritzarm sind, erscheint ein Fischadler am Himmel. Gleich darauf kommt noch ein zweiter angeflogen, etwas kleiner, und dann beginnt ein Schauspiel, dass wir so noch nicht gesehen haben: fast eine halbe Stunde lang beobachten wir die beiden Fischadler, wie sie in der Luft rütteln und sich ab und zu ins Wasser stürzen. Zwischendurch fliegt ein Eisvogel nahe einer Anordnung von Fischernetzen übers Wasser, einmal kurz rufend. Dann fängt der kleine Adler einen Fisch und sucht sich einen ungestörten Platz zum Frühstücken. Das ist nicht so einfach, da es hungrige Möwen gibt. Er entfleucht uns dann, und der größere Fischadler folgt ihm. Womöglich handelt es sich um ein Paar.
 

Pausenplatz auf einer schönen Halbinsel

Pausenplatz auf einer schönen Halbinsel

Auf unserer Rücktour erleben wir wieder viele der Tiere, die wir bereits auf der Hintour nahe bei uns hatten. Die Schweine haben sich verzogen. Irgend etwas schwimmt aber quer durch den Kanal. Von der Größe her könnte es ein Biber sein, allerdings gibt es die dort nicht und die schwimmen auch anders. Als das Tier an Land geht, hebt es seinen langen buschigen Schwanz: es ist ein Fuchs!

Zurück auf dem Nebelsee können wir uns gar nicht losreißen, so eindrucksvoll tönen immer noch die Kraniche um uns herum. Wir aber haben großen Hunger, und so paddeln wir dann doch bald zu unserer Einsetzstelle zurück,

Viele weitere Bilder findest Du in der folgenden Fotogalerie!

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)