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Obere Eider ab Steinfurter Mühle aufwärts am 7. Oktober

Geschrieben am 07.10.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Obere-Eider (Geändert am 09.10.2018)

die Eider bei Mielkendorf

die Eider bei Mielkendorf

Für den heutigen Sonntag sind magere 12 Grad vorher gesagt worden, und es soll recht windig werden. Da paddeln wir doch lieber auf einem Kleinfluss als auf einem offenen See.

In unserer näheren Umgebung bieten sich dafür auch die verschiedenen Abschnitte der Oberen Eider an. Für eine gemütliche Sonntagstour ohne zustätzliche Organisation wie "Auto nachholen" etc. benötigen wir also eine Strecke, die wir gut aufwärts schaffen, um dann auf halbem Nachmittag wieder zurück paddeln zu können. 

Unsere Wahl fällt auf den Abschnitt zwischen Freibad Kiel-Hammer und der Steinfurter Mühle. Also setzen wir bei der Mühle ein und paddeln langsam flussaufwärts.

kanalisierte Eider bei Schönwohld

kanalisierte Eider bei Schönwohld

Es ist 12:50 Uhr, und außer einigen Fahrradfahrern ist hier kein Betrieb. Die Steinfurter Mühle ist seit längerem kein Gastronomie-Betrieb mehr, und auch die Fischzuchtanlage wurde aufgegeben. Diese Stelle stellt ja eigentlich eine Umtragestelle im Verlauf der Eider dar, und besonders gut kann man bei den örtlichen Gegebenheiten auch nicht einsetzen: die Uferkante ist mit Rasensteinen befestigt. Darauf steht man zwar bestens, aber das Kanu darf auf keinen Fall mit den harten Rasensteinen in Kontakt kommen. Um das zu vermeiden, sammle ich im nahen Gehölz einige trockene Äste, die uns als Slip dienen sollen. So etwas funktioniert immer gut. Eine Abstellmöglichkeit für unser Fahrzeug finden wir auch, obwohl es damit ebenfalls hier vor Ort nicht gut bestellt ist.

die Eider vor Mielkendorf

die Eider vor Mielkendorf

Obwohl Wasser über die Wehrkante fließt, haben wir keine spürbare Strömung. Die Eider ist hier noch recht stark verkrautet, aber das ist nach wenigen Metern vorbei. Jetzt haben wir einen etwa 10 Meter breiten Fluss vor uns, der natürlich bewachsene Ufer aufweist und recht klares Wasser. Rechts fällt uns ein seltsamer Baum auf: ein Teil seines Laubs leuchtet tiefrot, und der gesamte Rest ist grün. Als wir uns nähern, sehe ich, dass die roten Blätter von Wildem Wein stammen, der eine Weide als Träger für seine Ranken benutzt. Weit oben ist alles rot, und da dort die Sonne hin strahlt, leuchten die Weinblätter wie geheimnisvolle Lampen.

Eider mit dichtem Busch

Eider mit dichtem Busch

Ab dieser Kurve haben wir nun Rückenwind, und das erleichtert uns das Vorwärtskommen erheblich. Allerdings denken wir an die Rücktour, wo wir den Wind wohl von vorn haben werden. 

Aus dem umliegenden Gehölzen erschallen laute Rufe, die an einen Mäusebussard erinnern. Als wir eine Weile genau hin schauen, fliegt ein Eichelhäher über die Eider, dann noch zwei hinterher. Nun hört man auch ihren schnarrenden Originalruf. 

Landsam paddeln wir unter der Straßenbrücke bei Schönwohld hindurch. Auf einer schmalen, hügeligen Wiese hat jemand frisch das Gras gemäht. Es liegt dicht am Boden und muss wohl heute noch gewendet werden, wenn es Heu werden soll. 

Eider bei Mielkendorf

Eider bei Mielkendorf

Wir hören diese typischen 3-fach-Rufe und Schnarr-Laute von Schwanzmeisen und schauen lange in die Pappeln, Weiden und Erlen am Ufer, ob wir sie irgendwo entdecken können. Sie halten sich jedoch versteckt, 

Hoch über uns tönen plötzlich Rufe von Wildgänsen. Sie sind nicht laut, und auf den ersten Blick ist am Himmel nichts zu sehen. Erst nach längerem Suchen sehen wir gegen eine sehr hoch schwebende weiße Wolke einen eindrucksvollen Zug von Wildgänsen, der aus mindestens 2-300 Vögeln zu bestehen scheint. 

Jetzt rufen schon mehr von ihnen. Nach den Tönen zu urteilen, scheinen es Bläss- oder Weißwangengänse zu sein.  Wir freuen uns über diesen Besuch am Himmel sehr! 

Eider bei Mielkendorf

Eider bei Mielkendorf

Allmählich wird die Umgebung immer wilder. Wir nähern uns der Stelle, wo zwei Hochspannungsleitungen die Eider queren. Die Ufer sind üppig bewachsen und die natürliche Vegetation setzt sich noch weiter hinter dem Ufer fort. Pflanzen und Tieren wurde hier erheblich mehr Lebensraum gelassen als am übrigen Verlauf bis Hammer. 

Bald gelangen wir an eine alte Fußgängerbrücke. Sie ist sehr stabil in der Stehlkonstruktion, aber die Holzteile sind mit den Jahren verrottet. Da es keinen Wanderweg mehr gibt, hat sich niemand um den Erhalt der Brücke gekümmert.

üppiger Uferbewuchs an der Eider bei Mielkendorf

üppiger Uferbewuchs an der Eider bei Mielkendorf

Wie genießen diesen Abschnitt sehr und lassen uns viel Zeit. Da es gerade windstill ist, wärmt die Sonne recht intensiv. In der Kurve hat sich wieder ein richtiger "Gleithang" gebildet. Der Fluss lädt in der Innenkurve Sediment ab, wodurch die Wassertiefe zum Ufer hin immer geringer wird. Das Wasser ist recht klar, und wir können kleine Fische und auch Kleinkrebse beobachten. Aus der Brachfläche hinter dem rechten Ufer tönt eindrucksvoll das heisere Rufen eines Fasans.

Plötzlich hören wir am Himmel Kranichrufe! Voller Freude blicken wir nach oben, suchen den Himmel nach diesen tollen Vögeln ab, die ja auch gerade aus dem hohen Norden über Schleswig-Holstein fliegen, um nach Frankreich oder ans Mittelmeer zu gelangen. Dann entdecken wir sie: es sind nur 5 Vögel, und sie fliegen nicht einmal besonders hoch. Bevor sie aus unserem Blickfeld verschwinden, drehen sie noch einige kleine Runden über uns. Womöglich haben sie sogar in Schleswig-Holstein gebrütet und werden sich bei passender Gelegenheit einem der großen Züge anschließen.

Wasserwanderer auf der Eider bei Mielkendorf

Wasserwanderer auf der Eider bei Mielkendorf

Menschliche Stimmen deuten auf entgegen kommende Paddler hin. Tatsächlich sehen wir bald zwei Canadier, und die werden mit Doppelpaddel gefahren. Im vorderen sitzt vorn ein Hund, der laut bellt, und hinten sein Herrchen. Die Gruppe beruhigt den Hund, man begrüßt uns nett. Mit einigem Abstand folgt ein drittes Kanu, das aber mit Stechpaddel gefahren wird. Als wir aneinander vorbei paddeln, erkennen die Wasserwanderer unser Kanu und die FlusInfo-Aufschrift, drehen sich noch einmal nach uns um und wir bekommen Lob und Anerkennung für FlussInfo. Wir fühlen uns natürlich geschmeichelt.

Auf dem folgenden Stück finden wir am rechten Ufer sogar noch größere Ansammlung von Brunnenkresse, die recht frisch aussieht und wohl nach erfolgter Krautung der Eider vor etwa 4 Wochen wieder auf normale Größe hoch gewachsen ist. Es leuchtet in sattem Sommergrün!

neue Fußgängerbrücke in Mielkendorf

neue Fußgängerbrücke in Mielkendorf

Allmählich nähern wir uns der Einsetzstelle in Mielkendorf. Wegen des sehr niedrigen Wasserstands steht der Steg eigentlich nicht weit genug im Wasser. Gegenwärtig könnte man hier nur schwer einsetzen.

Ab hier beginnt die Eider plötzlich leicht zu strömen. Da wir aber meist Rückenwind haben, macht es uns kaum etwas aus. Wir paddeln am Dorf vorbei und finden uns immer mehr im Lärmbereich der Autobahn wieder. Der gräuliche Lärm hält auch noch an, als wir sie bereits ein Stückchen hinter uns gelassen haben. 

Die folgende Fußgängerbrücke hat man vor kurzem neu erbaut, diesmal als Stahlkonstruktion. Einige Fahrradfahrer passieren sie gerade, als wir unter ihr sind. Man hat hier eine sehr preisgünstige Lösung gewählt: drei Stahlträger mit schrägen Kopfplatten  zu jeweils einem frei tragenden Träger verschraubt. Dadurch hat man einen leichten Bogen erhalten, was einem geraden Stahlträger gegenüber sehr viel Material erspart. Das kommt sowohl den Kosten als auch der Tragfähigkeit der Fundamente zugute.

Eider bei Rammsee

Eider bei Rammsee

Hinter der nächsten Kurve treffen wir auf den Eider-Wanderweg in Hammer und die Mündung der Kuhfurtsau. Sie führt erstaunlich viel Wasser. Auf der Bank neben der Mündung sitze eine Frau mit Hund, die meint, es sähe ja sehr gemütlich aus, wie wir daher kommen. Wir halten einen kurzen Plausch, bevor wir weiter in Richtung Hammer paddeln.

Bis zur Umtragestelle am Freibad Hammer sind es nur noch etwa 1300 Meter, und die wollen wir tatsächlich noch abpaddeln, aus reiner Neugier, obwohl es hier nicht so spannend ist. Die Eider fließt hier am Wanderweg entlang, und es ist hier nicht so einsam wie bisher. Einige Angler sitzen oder stehen am Ufer, und auf dem Weg ist ein wenig Betrieb. Es ist ja auch Sonntag, da sind viele gern am  natürlichen Stadtrand unterwegs. Es ist ja auch reizvoll dort in Hammer. 

Vor der Umtragestelle am Freibad finden wir eine wegen Baufälligkeit gesperrte Brücke vor, und ganz kurz paddeln wir bis an die Sohlgleite heran. Dort strömt es mächtig, aber elegant drehen wir unser Kanu in der Strömung. 

Eider vor Hammer

Eider vor Hammer

Hier am Beginn unserer Rücktour lassen wir uns zunächst einmal ein Stückchen treiben. Dabei können wir in Ruhe essen und trinken. Hier singt am rechten Ufer ein Rotkehlchen, was uns ganz besonders erfreut, da wir lange keines mehr gehört haben. Ein zweites singt am linken, und da wird uns  klar, dass wir es hier mit zwei Männchen zu tun haben, die ihr Revier verteidigen. 

Gundula beobachtet einen Zwergtaucher, später einen weiteren. Ich selbst bekomme sie nicht zu sehen. Dafür paddle ich nun etwas engagierter, denn es ist bereits nach 15:00 Uhr, und wir haben sicher noch eineinhalb Stunden zu paddeln. Da wird es langsam kühler, da die Sonne bald untergeht.

kleine Pause an der Eider

kleine Pause an der Eider

Zwischendurch muss ich mal an Land, und während ich mich erleichtere, sehen wir einen Turmfalken in der Luft rüttelnd nach Beute Ausschau halten. Als wir wieder auf dem Wasser und in Schwung sind, treffen wir noch einmal einen Eichelhäher. Diesmal ruft er nur "normal". 

Bald sind wir wieder an der lauten Autobahn und an Mielkendorf vorbei und freuen uns an der zunehmenden Stille. Ein Teichhuhn schwimmt eilig von links nach rechts und verschwindet im Schilf. Als wir wieder an der verfallenen Fußgängerbrücke sind, fliegt dort aus einer kleinen Gruppe von Stockenten ein Schellentenweibchen auf. 

Uns fällt auf, dass es keinen Gegenwind mehr gibt, da der Wind fast ganz eingeschlafen ist. Dafür hält die Strömung an, so dass wir besser voran kommen als erwartet. Immer noch fliegen Libellen umher, auf der Suche nach Beute. Auch Eintagsfliegen haben Saison. Sie müssen heute, bald nach ihrem Schlüpfen, bereits ihre Eier ablegen. Danach werden sie sterben.

Von hinten nähert sich ein Kajak: ein nicht mehr ganz junger Mann paddelt langsam an uns vorbei, hält an und fragt uns nach FlussInfo und unserem Holzkanu. Er kommt aus Flintbek, ist auch heute dort gestartet. Wir haben noch ein kurzes, nettes Gespräch, bevor er schnell weiter paddelt. Wer weiß, wie weit er noch will heute? Wir haben ihn nicht gefragt. Es wird ihn wohl jemand abholen.

Kajak auf der Eider bei Schönwohld

Kajak auf der Eider bei Schönwohld

Wir passieren die Schönwohlder Brücke, und dann sind wir auch bald an der Steinfurter Mühle. Mit Stiefeln steigen wir aus, und um unser Kanu über die Steine ziehen zu können, breiten wir wieder die Äste aus. Als ich in die Eider schaue, fällt mir auf, dass jetzt auch das Nebengerinne fließt. Also muss über Tag jemand das Wehr vor den Teichen geöffnet haben. Hatten wir ein Glück! Zuerst Rückenwind und kaum Strömung, und zurück keinen Wind, dafür aber Strömung. 

Ich hole kurz unseren Transporter, und wir verladen unsere Ausrüstung und das Kanu. Währenddessen kommt ein Auto auf den Platz gefahren, und der Mann, der aussteigt, grüßt uns freundlich. Wir grüßen zurück, es ist der neue Besitzer der Steinfurter Mühle. Er führt uns noch in sein neues Projekt hinein, das eine Art "Kulturzentrum" werden soll. Das Gespräch dauert dann doch etwas länger als geplant, ist aber sehr nett und informativ. 

Gegen 17:00 Uhr fahren wir nach Hause zurück. Wir haben einen schönen Sonntag Nachmittag auf dem Wasser verbracht, ganz ohne Stress und ohne lange Anfahrt. Letzteres ist zur Abwechslung auch mal ganz schön.

Eider-Umtragestelle Steinfurter Mühle

Eider-Umtragestelle Steinfurter Mühle

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)