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Auf den Plöner Seen am Montag, den 1. Oktober

Geschrieben am 01.10.2018 in Kanutagebuch (2018) —   Großer-Plöner-See, Holsteinische-Seenplatte, Kleiner-Plöner-See, Schwentine (Geändert am 02.10.2018)

Einsetzmöglichkeit am Ascheberger Parkplatz in Plön

Einsetzmöglichkeit am Ascheberger Parkplatz in Plön

Für heute ist überall viel Wind angesagt, aber ansonsten brauchbares Paddelwetter. Der Wind soll aus Süd-West und später West kommen und 3-4, in Böen bis 6 Bft erreichen. 

Ich möchte gerne sehen, was geht und wenn es möglich ist, die Prinzeninsel umrunden. Als Einsetzstelle wähle ich "Ascheberger Parkplatz". Dort angekommen, sehe ich den Steg bereits abgebaut. Wegen des sehr niedrigen Wasserstands möchte ich dort nicht einsetzen, es ist nämlich sehr sehr steinig. Ich schwöre mir, das nächste Mal eine Harke und die große Kralle mit zu bringen, um damit die Steine zu entfernen.

Auf dem Kleinen Plöner See

Auf dem Kleinen Plöner See

Es gibt etwa 30 Meter daneben einen anderen Zugang zum See mit einer schmalen Holztreppe. Dort ist es unten nicht ganz so steinig. Ich trage alles hinunter, lege einige dicke Zweige hin und rüste mein Kanu aus. In die Bugspitze packe ich etwa 30 kg Ballast in Form eines verpackten Stahlklotzes sowie zweimal 5 Liter Wassers in kleinen Kanistern.

Kurz vor 11:00 Uhr paddle ich los. Der Wind pfeift über den Kleinen Plöner See, und wenn ich meine gewohnte Route nehme, käme er direkt von der rechten Seite. Das wäre ziemlich ungemütlich, und so fahre ich zunächst ein ganzes Stück schräg gegen den Wind in Richtung Dörnick, bis ich genügend Abstand vom Ostufer des Kleinen Plöner Sees habe und mich der Wind in Richtung Mühlensee-Durchfahrt drücken kann. Dabei kann ich für kurze Zeit einen großen Seeadler beobachten, der über der Klärwerkshalbinsel seine Kreise zieht und bald entschwindet.

Auf dem Kleinen Plöner See vor dem Koppelsberg

Auf dem Kleinen Plöner See vor dem Koppelsberg

Als ich in der Durchfahrt zum Mühlensee bin, platscht es links vor mir fürchterlich und es erscheint ein Graureiher, zuerst noch im Wasser und dann fliegt er mühsam durch die Büsche in die Luft. Erst dort gibt er seine typischen entrüstetes Geschrei von sich.

Im Mühlensee ist es "gemütlich", also windgeschützt und sonnig. Ich lasse mir viel Zeit, diesen winzigen See zu durchqueren. Vor der folgenden Eisenbahnbrücke liegen auf den Privatgrundstücken einige dicke Weiden, die der Sturm geknickt hat. Eine weitere liegt über dem Fluss. Das Wasser ist aber frei. 

Zwischen Kleinen Plöner See und Mühlensee

Zwischen Kleinen Plöner See und Mühlensee

Es ist allerdings dermaßen flach, dass die Fahrrinne recht schmal ist und man kaum ein ganzes Paddelblatt nutzen kann. Ich den hohen Ufergehölzen höre ich die Rufe von Schwanzmeisen, bekomme sie aber nicht zu sehen. An der Kanuvermietung am Mühlensee (Segelschule Plön) hat man den großen Steg bereits eingeholt. Da scheint die Saison definitiv beendet zu sein.

Langsam paddle ich zur Umsetzstelle hinüber. Während des Sommers floss hier bereits wenig Wasser, so dass die Borsten teilweise heraus standen. Jetzt schauen sie aber 10 cm und mehr aus dem Wasser! 

Borsten-Fisch-Kanupass in Plön-Spitzenort

Borsten-Fisch-Kanupass in Plön-Spitzenort: bei extrem geringem Wasserdurchfluss

Zunächst versuche ich, mein Holzkanu an beiden Leinen aufwärts zu ziehen. Nach einigen Metern sehe ich ein, dass ich es komplett entladen muss, um es treideln zu können. Die schweren Sachen kommen also auf den Steg, und auf diese Weise schaffe ich mein Kanu die gesamte Strecke über die Borsten zu ziehen. Da an der Kante viele Steine liegen, muss ich selbst unten waten, damit das Kanu nicht immer gegen die Steine rutscht. Alles ist ein wenig ungewohnt und auch unbequem, aber es funktioniert. Ich nehme mir viel Zeit dafür.

Schwentine am Campingplatz Spitzenort

Schwentine am Campingplatz Spitzenort

Nachdem ich alles wieder im Kanu verstaut habe und drin sitze, lasse ich es langsam am Campingplatz entlang in die Rohrdommelbucht gleiten. Dabei kommt mir ein Mann im Schlauchkajak entgegen. Wir begrüßen uns und tauschen uns ein wenig aus. Ich genieße noch kurz eine stille Bucht mit vielen Wasservögeln, bis mich der Westwind wieder hat. 

Mein Plan ist, in die Ascheberger Bucht hinein und um die Prinzeninsel herum zu paddeln. Der Himmel hat sich mitlerweile etwas verdunkelt, und als ich um den Campingplatz herum bin, komme ich allmählich immer mehr in den Wind. Dieser weht sehr böig und verursacht ordentliche Wellen. Es sieht auch nach Regen aus.

Großer Plöner See zwischen Spitzenort und Prinzeninsel

Großer Plöner See zwischen Spitzenort und Prinzeninsel

Der Himmel bietet mir ein grandioses Schauspiel: dunkle und helle Wolken wechseln sich ab, und es gibt auch einige blaue Stellen. Immer wieder taucht die Sonne, die an diesen Stellen hindurch scheint, eine Insel oder einen Uferbereich in helles Licht. Als ich einmal in einer Pause ohne Böe nach oben schaue, kann ich mich für kurze Zeit an einem aufregenden Schauspiel erfreuen: drei Seeadler kreisen direkt über mir in etwa 50 Metern Höhe! 

Da eine Böe kommt, muss ich mich um mein Kanu kümmern und meinen spannenden Naturgenuss aufschieben. Als ich wieder nach oben blicke, kreist dort nur noch ein Adler. Enttäuscht blick ich umher und sehe die anderen beiden auf kahlen Äasten von zwei Bäumen auf der Insel Alswarder sitzen.  

Großer Plöner See in der Ascheberger Bucht

Großer Plöner See in der Ascheberger Bucht: bei gutem Westwind

Da ich auch hier starken Seitenwind habe und recht hohe Wellen mein Kanu seitwärts anheben, drückt mich der Wind zu früh zum Ufer der Prinzeninsel. Um das zu vermeiden, paddle ich wieder eine gewisse Strecke fast senkrecht zu Wind und Wellen, bis ich weit genug entfernt bin, um mit schrägem Rückenwind und rauschenden Wellen durch die Durchfahrt zwischen Prinzeninsel und Langes Warder zu surfen. Mein Kanu bleibt dabei trocken, da es immer schön angehoben wird, statt in die Wellen einzutauchen.

Ascheberger Bucht

Ascheberger Bucht: im Großen Plöner See

surfen auf dem Großen Plöner See

surfen auf dem Großen Plöner See

Am Ende der Durchfahrt steuere ich ein wenig nach links in den Windschatten. Ich genieße das Wechselspiel des Lichts am Himmel, dass immer wieder interessante Blicke ins Wasser hinein ermöglicht. Ich kann heute noch bei drei Metern auf den Grund schauen. Aber auch die Wasserlandschaft um mich herum ist unter diesen Lichtbedingungen faszinierend. 

Kurzzeitig bläst der Wind ein wenig von hinten - in der eigentlich windgeschützten kleinen Bucht auf der Ostseite des Großen Plöner Sees. Dann aber ist er still, und später kommt er auch mal von vorn. Ich paddle um die winzige Halbinsel Schwartenwarder herum, und die folgende Bucht ist ganz still. Durch das glasklare Wasser kann ich auf der zweiten Buchthälfte genau die Topografie des Bodens erkennen. Ich gieße mir Tee ein und beobachte beim Tee Trinken die umliegenden Ufer. Bizarre Totholzansammlungen leuchten fast weiß in der Mittagssonne.

Prinzeninsel -Spitze

Prinzeninsel -Spitze: -der Blick zurück

Der Durchstich ist schwer zu finden, aber als ich näher an das gegenüber liegende Ufer heran paddle, sehe ich ihn natürlich sofort. Eine grüne Boje gibt es nicht (mehr). 

Am Beginn dieses kleinen Fließes muss ich mal dringend an Land. Anlanden wie dort gewohnt ist nicht möglich weshalb ich einfach ins flache Wasser steige. Der Boden ist allerdings sehr sumpfig, so dass ich mich noch am Boot ein wenig hoch halten muss, bis ich einen der im Wasser liegenden Äste als Tritt nutzen kann und an Land komme. Als ich dann wieder im Kanu sitze und es ins flache Fließ gleiten lassen, prüfe ich auch dort den Grund und stelle fest, dass dieser über die gesamte Länge fest ist.

Ostufer der Prinzeninsel im Großen Plöner See

Ostufer der Prinzeninsel im Großen Plöner See

Als mein Blick zur Fußgängerbrücke dreht, werden meine schlimmsten Befürchtungen noch weit übertroffen: dort ist ja immer wenig Wasser, aber nun ist dort ein flacher Hügel, der mindestens 20 cm aus dem Wasser ragt! Naja, denke ich, hier im Auenwald auf der Prinzeninsel dürften genügend Knüppel zu finden sein, auf denen ich mein Kanu über diesen Berg rutschen lassen kann. Im Normalfall stehen hier unter der Brücke etwa 10 cm Wasser, so dass man oftmals gerade durch kommt - oder nur ganz kurz aussteigt.

kein Wasser unter der Brücke der Prinzeninsel

kein Wasser unter der Brücke der Prinzeninsel

Als ich vor dem Berg ankomme, schaue ich mich nach Hölzern um und entdecke einige, die wohl schon jemand anderes verwendet hat. Ich lege sie auf den Berg und ziehe mein Kanu darüber, so weit es geht. Da es noch nicht reicht, schaue ich mich auf der anderen Seite der Brücke um und  finde auf Anhieb die fehlenden Holzstücke. Ich lege sie aus, dann ziehe ich mein Kanu mühelos über den Hügel. Hinterher sammle ich alle Hölzer wieder ein und lege sie ordentlich an einen offen sichtbaren Platz. 

klares Wasser im Großen Plöner See

klares Wasser im Großen Plöner See

Hier ist der Durchstich gleich zu Ende, und in der Rohrdommelbucht pfeift es wieder ordentlich. Als ich dorthin komme, weht es aber nicht so schlimm wie es sich anhörte. Also paddle ich frisch und frohgemut über die Rohrdommelbucht, am Campingplatz Spitzenort entlang und bin bald an der Umtragestelle. Kurz vorher kann ich etliche wirklich große Fische bewundern, die dort im klaren Wasser zu zweit oder allein knapp über dem Grund entlang flitzen. Nahe dem Campingplatz schwimmt eines dieser braun gefärbten Tauchentenweibchen (auch Reiherenten), die man selten zu sehen bekommt.

Ich binde mein Boot am ersten Dalben gut fest und lade die schweren Sachen aus. Der Himmel verdunkelt sich. Während ich die Sachen nach unten ans Ende der Umsetzstelle trage, beginnt es ein wenig zu regnen. So lasse ich meine Sachen unter der Brücke stehen und hole mein Kanu. Abwärts geht auf jeden Fall leichter als aufwärts, aber trotzdem muss ich in Stiefeln unten durchs Wasser.

fast trockener Borstenpass in Plön-Spitzenort

fast trockener Borstenpass in Plön-Spitzenort

Als ich mit meinem Kanu unten bin, hat der Regen aufgehört. Ich lade alles ein und bin bald wieder reisefertig. Dabei lausche ich einem Eisvogel, der mehrmals vom gegenüber liegenden Ufer aus ruft. Sehen kann ich ihn nicht.

An der Eisenbahnbrücke wuselt ein Eichhörnchen rechts am Ufer umher. Als es mich entdeckt, huscht es über eine umgestürzte Weide über mich hinweg. Der Baum liegt in luftiger Höhe und stört nicht. Ich freue mich über dieses Erlebnis.

Bucht vor Plön im Kleinen Plöner See

Bucht vor Plön im Kleinen Plöner See: mit Blick auf das Schloss Plön (Fielmann-Akademie)

Durch den Mühlensee bin ich bald im Kleinen Plöner See, und der hat es jetzt in sich: heftige Böen verursachen kurze, hohe Wellen, und ich habe sie von links. Also mache ich das, was ich immer in derartigen Fällen tue: erst einmal etwa hundert Meter gegen den Wind, dann etwas treiben lassen, dann das gleiche wieder, bis ich an der Landzunge vorbei bin und dadurch freie Fahrt mit dem Wind bis zu meiner Einsetzstelle habe. 

Als ich dort anlande, muss ich sofort mein Kanu sichern, damit es der Wind nicht gegen irgend welche Steine schlägt. Bald kann ich es an Land ziehen und entladen. Dabei wundere ich mich, dass mich die ganze Aktion nicht so sehr entkräftet hat wie befürchtet. Gut so. Ich muss ja auch noch die schmale Holz-Treppe mit dem Kanu hoch. All das schaffe ich aber relativ leicht, nur dass ich mich beim Hochbringen des Kanus auf das Autodach wirklich sehr zusammen nehmen muss, um alle zu Kräfte aktivieren. 

Gegen 15: 00 Uhr verlasse ich Plön und bin etwa 25 Minuten später zuhause angekommen. Ich bin noch lange erfüllt von meinen Gefühlen zu diesen Erlebnisen und freue mich auch weitere schöne Herbsttouren.

 

Kleiner Plöner See

Kleiner Plöner See

Geschrieben in Kanutagebuch (2018)