Kanu & Natur

ein persönliches Blog von Jürgen Clausen

Auf der Bramau von Bad Bramstedt bis zur Mündung

Geschrieben am 26.08.2019 in Kanutagebuch (2019) —   Bramau, Schleswig-Holstein-paddeln (Geändert am 27.08.2019)

an der Einsetzstelle am Schlosspark in Bad Bramstedt

an der Einsetzstelle am Schlosspark in Bad Bramstedt

Am heutigen Samstag wollen Frank, Katrin und ich in drei Kanus auf der Bramau von Bad Bramstedt bis zu ihrer Mündung in die Stör bei Grönhude / Wittenberge paddeln. Wir reisen über die A 7 an und laden unsere 3 Kanus an der Einsetzstelle Schlosspark ab. Ein Auto wird dann zum Ziel gefahren und das andere bleibt in Bad Bramstedt. 

Katrin auf der Bramau

Katrin auf der Bramau

Die Fahrerei dauert, zumal es auch noch eine Straßensperrung in Wrist gibt und wir eine größere Umleitung fahren müssen. Obwohl wir um 11:00 Uhr an der Einsetzstelle sind, paddeln wir erst kurz vor halb eins los. Es hat sich inzwischen auch noch eine größere Zahl an Mietboot-Fahrern angefunden, und etwas beunruhigt schauen wir deren Vorräte an Bier und Spirituosen an.

Wir sind aber vor ihnen am Start, und so rauschen wir bald über die ersten steinigen Flachstellen, wo die Hudau mit der Osterau zur Bramau wird. 

noch auf der Hudau in Bad Bramstedt

noch auf der Hudau in Bad Bramstedt

Die Gefällestrecke bleibt uns noch etwa hundert Meter erhalten, bevor wir ruhiges Wasser erreichen und durch die Stadt gleiten, vorbei am üppigen Grün der Uferstauden, darunter blühende Weidenröschen, Beinwell, Bittersüßer Nachtschatten und Pfeilkraut. In den stilleren Ecken wächst die zumeist schwimmende Sumpfkresse, bisweilen mit winzigen weißen Blüten. 

Kurz hinter Bad Bramstedt entdeckt Katrin am Himmel vier segelnde Greifvögel. Es könnte eine Familie Bussard sein. Ansonsten sind auch einige Graureiher unterwegs.

Wir paddeln jetzt in recht flotter Fahrt in Richtung Hitzhusen, vorbei an den ersten Storchennestern. Ein kräftiges Rauschen klündet einen Schwall an. Dieser entpuppt sich beim Näherkommen als richtige Staustufe, da wir einen sehr niedrigen Wasserstand haben. Frank lässt sein Kajak zwischen großen Steinen herunter gleiten, danach auch Katrin. Ich zögere, kenne eigentlich einen besseren Durchlass, aber lange kann ich wegen starker Strömung nicht überlegen und nehme dann doch den gleichen Weg. Ich glaube auch, dass die andere Stelle bei diesem extrem niedrigen Wasserstand auch nicht besser gewesen wäre. 

Katrins Kajak und auch ihre Hose haben etwas Wasser aufgenommen bei dem Abenteuer. Bei mir ist der rechte Fuß nass geworden, sonst ist etwa ein Liter Wasser im Kanu. 

auf der Bramau

auf der Bramau

Holzkanu auf der Bramau

Holzkanu auf der Bramau

Als ich mein Holzkanu durch die Steine zwänge, muss ich sogar noch auf einem der großen Steine aussteigen, um eine sehr flache Stelle überwinden zu können. Es gibt einige sehr unschöne Kratzgeräusche, dann steige ich wieder in mein Kanu und paddle mit flotter Strömung den beiden hinterher.

verfallenes Wehr in der Bramau

verfallenes Wehr in der Bramau

Jetzt geht es oft zwischen genz engen Büschen hindurch, und umgestürzte Gehölze haben allmählich die bislang stark begradigte Bramau wieder zum Mäandern gebracht. Es gibt sogar Uferabbrüche, die man als Prallhang bezeichnen könnte. 

Als wir das nächste verfallene Wehr erreichen, paddelt Frank mutig hinunter. Katrin wäre als nächste dran, zögert aber. Ich komme näher und sehe ebenfalls, dass ich hier auf keinen Fall hinunter möchte. Große Granitsteine sind im Weg. Wir landen links an einem Uferausschnitt an, es ist etwas schlammig. Es ist eigentlich die Mündung eines kleinen Grabens, der jetzt trocken gefallen ist.

Die beiden Kanus ziehen wir über eine kurze, steile Böschung nach oben bis auf die Wiese. Wir packen sie leer und dann heißt es etwa 20 Meter rutschen und schleppen, bis wir an einer engen, steilen aber immerhin trittfesten Stelle wieder in die Bramau einsetzen.

Bevor wir den nächsten Ort ereichen, haben wir noch eine sportliche Prüfung zu bestehen: hier liegen einige dicke Pappeln quer, so dass wir zwei von ihnen übertragen müssen. Unter anderen zwängen wir uns mühsam unterdurch. Alles sieht wild aus und fühlt sich auch so an, aber es ist zu schaffen. Zum Glück ist die Strömung nicht ganz so kräftig wie wir es an anderen Tagen hier schon erlebten.

fröhliches Klettern und Rutschen

fröhliches Klettern und Rutschen

Pappeln

Pappeln

Bäume zu überwinden

Bäume zu überwinden

drüber rutschen

drüber rutschen

Pause in Föhrden-Barl

Pause in Föhrden-Barl

Pause an der Bramau

Pause an der Bramau

Frank und Jürgen am Pausenplatz

Frank und Jürgen am Pausenplatz

Wir paddeln nun also in Richtung Föhrden-Barl, das wir gegen 14:30 Uhr erreichen. Eine Pause ist schon seit längerem fällig, aber durch den niedrigen Wasserstand war uns das Aussteigen bisher nur schlecht möglich und wenn, dann nicht mit einer guten Pausenstelle kombinierbar. 

Aber vor der Fußgängerbrücke an einem Wanderweg direkt im Ort können wir anlanden, wenn auch umständlich. Es sieht etwas nach Bauernhof aus, liegt aber ebenso gut am Wanderweg. Wir entscheiden zu unseren Gunsten ( also es sei nicht privat) und lassen uns mehr als eine halbe Stunde lang unser Essen und Trinken schmecken. 

die Bramau in Wrist

die Bramau in Wrist

Wir sind gestärkt und haben noch etwa 7 km vor uns. Je näher wir an Wrist kommen, umso stärker strömt die Bramau. Mir schwant, dass wir es hier gerade mit dem ablaufenden Wasser der Tide zu tun haben. 

Wrist erreichen wir recht flott, und dort legen wir für eine kurze Rast an. Frank kauft noch Wasser im nahen Edeka, und Katrin und ich vertreten uns auch etwas unsere Beine.

Von Wrist an haben wir noch etwa 5 km zu paddeln. Die Strömung nimmt weiter zu, aber der Wasserstand sinkt immer schneller. Deshalb haben wir nur noch etwa 20 cm Wasser unter unseren Kanus, als wir die Stör erieichen.

Beim Anlanden im Getreidehafen von Grönhude (Wittenberge) kommen wir wegen der niedrigen Tide kaum an den Treppensteg. Wir müssen kurz davor im schlickigen Sand aussteigen. Zum Glück haben wir tragfähigen Boden unter unseren Füßen, naja, fast.

Pause in Wrist an der Kanueinsetzstelle

Pause in Wrist an der Kanueinsetzstelle

An der Einsetzstelle wurde eine Teilfläche frisch gemäht, und ein älterer Mann spannt ein Trassenband. Einige jüngere Leute sind mit von der Partie, ebenso zwei quängelnde Kleinkinder im Kinderwagen. Ich möchte nicht so genau hinschauen, aber es könnte sich um Zwillinge handeln.

Als die Gruppe sich entfernt hat, lesen wir ein kleines Schild: man bittet, diese Fläche am Folgetag frei zu halten - für eine Kindstaufe. 

Katrin und ich fahren über die kleinen Nebenwege nach Bad Bramstedt und sind nach einer knappen Stunde mit beiden Autos zurück. Frank hat alles im Griff, bewacht alles wie ein Schwan sein Nest. 

Wir verladen unsere drei Boote und die Ausrüstung. Über Kellinghusen fahren wir nach Kiel zurück, wobei wir auf dem Weg noch kurz eine Kanu-Einsetzstelle in Rosdorf an der Stör kontrollieren. 

Es war ein langer Paddeltag mit vielen schönen und teilweise feuchten Erlebnissen. Wir hatten allerbestes Wetter und waren zusammen immer gut gelaunt. 

Mündung der Bramau in die Stör

Mündung der Bramau in die Stör

Einsetzstelle fast trocken wegen dem Tiden-Niedrigwasser

Einsetzstelle fast trocken wegen dem Tiden-Niedrigwasser

das Holzkanu kommt auf den Bus

das Holzkanu kommt auf den Bus

gut verzurren auf dem Bus

gut verzurren auf dem Bus

Geschrieben in Kanutagebuch (2019)