Kanu & Natur

ein persönliches Blog von Jürgen Clausen

Am 28. Mai an der Trebel

Geschrieben am 06.07.2020 in Kanutagebuch (2020) —   Trebel (Geändert am 12.07.2020)

Nach einer sehr warmen Nacht sind wir schon sehr früh auf den Beinen, so dass wir bereits vor halb sechs Uhr das Zelt abgebaut haben und Kaffee trinken. Die Trebel fließt etwas, wie wir an den sehr langsam vorbei ziehenden Wasserpflanzen erkennen können. Das ist hier nicht selbstverständlich, da sie zeitweise stehen kann oder sogar aufwärts fließen.

Um uns herum herrscht eine sehr schöne Stimmung: Kranichrufe erschallen immer lauter rings um uns herum. Einige verlassen bereits ihre Schlafplätze bei Annenhof und auf den gegenüber Nehringen liegenden Wiesen und Poldern südwestlich der Trebel. Immer wieder fliegen in der Morgensonne kleinere Züge von Graugänsen vorbei. Einige Weißstörche stolzieren auf der großen Wiese naben der Einsetzstelle umher und picken im kurzen Gras nach Fressbarem, wahrscheinlich Regenwürmern.

Auch auf dieser Wiese lassen sich Kraniche nieder, und wie wir später auf den Fotos erkennen können, ist ein fast erwachsenes Junges dabei. 

 

 

Kraniche in Nehringen

Kraniche in Nehringen

Ein Greifvogel fliegt nahe an uns vorbei, um sich auf einem Ast einer abgestorbenen großen Erlen nieder zu lassen. Es ist ein Schwarzmilan. Etwas entfernt jagt ein anderer Greifvogel. Ich tippe auf Seeadler, und tatsächlich hören wir kurz darauf seine Rufe. Ein Eisvogel lässt ab und zu sein metallisches Rufen über die Trebel erklingen. Einmal bekomme ich ihn sogar im Vorbeifliegen zu sehen.

Graugänse in der Morgensonne

Graugänse in der Morgensonne

Kraniche auf einer Wiese

Kraniche auf einer Wiese: in Nehringen an der Trebel

Morgenkaffee kochen an der Trebel

Morgenkaffee kochen an der Trebel: in Nehringen

Um 6:16 Uhr ist das Kanu fertig gepackt. Wir lassen es sanft über die feuchte Holzkante des Einsetzstegs gleiten und steigen ein. Heute wollen wir die Trebel aufwärts paddeln und in Bassendorf, also nach etwa 5 km, eine ausgedehnte Essenspause einlegen. 

Die nächsten knapp 5 km erleben wir das schönste Stück Trebel, das ich kenne. Aus jedem Meter Ufer ertönen die Rufe von Schilf - und Drosselsohrsängern. Die Drosselrohrsänger lassen sich sogar häufig in unserer Sichtweite nieder und schmettern ihre harten Rufe durch das Trebeltal.

In einiger Entfernung segeln einige Greifvögel. Es ist nicht so warm wie gestern, aber es scheint sich dafür trotzdem gute Thermik entwickelt zu haben, die gerne von Großvögeln ausgenutzt wird.

auf der Trebel nahe Nehringen

auf der Trebel nahe Nehringen

Trebel vor Bassendorf

Trebel vor Bassendorf

Ein Stückchen vor Bassendorf schwimmt eine Gruppe von fünf erwachsenen Höckerschwänen etwa 50 Meter vor uns. Sie bleiben so nahe beieinander, dass sie kaum zu zählen sind. 

An den sumpfigen Ufern blühen nicht nur Blutweiderich, Ziest und der erste Merck, sondern zu meinem Erstaunen auch bereits die ersten Schwanenblumen. Im Wasser schwimmt in Ufernähe viel Brunnen- und etwas Sumpfkresse, und auch Seerosen blühen bereits. In den meisten Seerosen-Blüten suchen Insekten und Käfer nach süßer Nahrung.

Rohrammer an der Trebel

Rohrammer an der Trebel

Hin und wieder sitzen auch Rohrammern auf den hohen Reethalmen und erfreuen uns mit ihrem sehr melodischen Gesang. Allmählich kommt der hohe Hang auf dem nordöstlichen Ufer in Sicht, der uns anzeigt, dass wir beinahe Bassendorf erreicht haben. Die Trebel verläuft hier fast gerade, und so können wir in der Ferne schon den Pausenplatz erkennen. Je näher wir dem vor einigen Jahren neu gestalteten Rastplatz kommen, umso deutlicher wird uns, dass es uns dort zu belebt ist: Angler, Leute mit Auto, zwei Zelte.

Da wir ohnehin noch die Alte Trebel besichtigen wollen, paddeln wir langsam vorbei und sehen uns das Treiben an. Es ist nicht ganz so schlimm, wie es aus der Ferne aussah. Wir lassen unser Holzkanu mit sanften Paddelschlägen vorbei gleiten und biegen gleich dahinter in die Mündung der Warbel ab, die von Gnoien kommt und hier in die Trebel mündet. Mir fällt auf, dass Bassendorf seine winzige Badestelle zu einem kleinen Strand aufgepeppt hat. So etwas erfreut mich sehr! Das hat sicher die derzeitige Tourismusbeauftragte des Amts veranlasst. Sie ist sehr rührig und engagiert und kümmert sich darum, dass kleine, aber wichtige Infrastrukturprojekte verwirklicht werden.

Auf der Trebel bei Nehringen

Auf der Trebel bei Nehringen

Wir paddeln nur kurz in die Warbel hinein und biegen dann in die Alte Trebel ab. Aber auch da bleiben wir nicht lange und wenden unser Kanu auf dem schmalen Fließ, kurz nachdem wir die Brücke passiert haben.

Unter der Brücke brüten Schwalben in den breiten Flanschen der mächtigen Stahlträger. Sie fliegen ein paar Mal sehr nahe an unseren Köpfen vorbei. 

Wir paddeln langsam wieder am Rastplatz vorbei und lassen uns auf der gemähten Wiese dahinter nieder. Das Ufer ist hier so fest und niedrig genug, so dass wir problemlos anlegen und aussteigen können.

Hier genießen wir ein ausgiebiges Frühstück und können es uns sogar noch für eine kleine Pause unter dem Schatten spendenden Anglerschirm gemütlich machen.

Pause an der Trebel

Pause an der Trebel

Auch auf unserer Rückfahrt sehen und hören wir wieder viele Rohrsänger. Es sind vor allem Drosselrohrsänger, aber auch einige Schilfrohrsänger. In der Ferne platscht es in größeren Abständen zweimal sehr kräftig in Ufernähe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es beide Male ein Biber war. Zweimal gibt sich auch ein Neuntöter die Ehre. Strömung haben wir nun nicht mehr. Der Wind hat wohl gedreht auf der Peene, so dass sich das Wasser der Trebel wieder stauen muss. Gefälle gibt es bekanntlich so gut wie gar nicht hier.

Rücktour auf der Trebel

Rücktour auf der Trebel: von Bassendorf

Da sich der Himmel allmählich verdunkelt, paddeln wir etwas schneller als gewohnt. Trotzdem ist uns noch ein seltenes Schauspiel vergönnt: ein Greifvogel stürzt sich ins Wasser und fängt einen Fisch. Leider setzt er sich nicht auf einen der nächsten Bäume, obwohl er zwei Mal dazu ansetzt. Es ist ein Schreiadler, wie wir zu unserer großen Freude feststellen.

Einsetzstelle an der Trebel

Einsetzstelle an der Trebel

Wir landen an und verpacken alles im Bus. Nachdem auch das Holzkanu sicher auf dem Autodach befestigt ist, fahren wir nach Tribsees, schauen uns für FlussInfo den Wasserwanderrastplatz an und die Umtragestelle beim Wehr Langsdorf. 

Dort breiten wir auch unsere Küche aus und machen Essen.

Mittagessen an der Trebel

Mittagessen an der Trebel

Wir machen uns eine leckere Suppe warm, die Katrin Tage vorher gekocht hatte und die wir tiefgefroren mitgenommen hatten, bestens eingepackt. Die war noch nicht einmal ganz aufgetaut!

Wir beobachten nachdenkend den sehr zäh fließenden Verkehr auf der nahen A 20. Als wir fertig gegessen und abgewaschen haben, kommt der vorher gesagte Regen. Kurz vorher dreht der teils heftige Wind, so dass der Bus nun keinen Schutz mehr bietet. Aber wir sind ja bald fertig.

Bevor wir entgültig aufbrechen, schauen wir auf Google Maps nach dem Verkehrsaufkommen und entscheiden uns, bis zur Anschlussstelle Sanitz auf der Bundesstraße zu fahren. Tatsächlich kommen wir ohne Stau in 2,5 Stunden nach Hause zurück.

Geschrieben in Kanutagebuch (2020)