Kanu & Natur

ein persönliches Blog von Jürgen Clausen

Himmelfahrt auf dem Großen Plöner See

Geschrieben am 07.06.2020 in Kanutagebuch (2020) —   Großer-Plöner-See

Heute ist der Himmelfahrtstag. Normalerweise paddle ich an solchen Tagen nicht, da die Gewässer meist übernutzt werden und es mir dann keine Freude bringt. Heute bin ich jedoch bereits sehr früh wach. Ein Blick auf das aktuelle Wetter bestätigt mir, dass es relativ windstill sein wird und nicht zu kalt. 

Ich beschließe, mich fertig zu machen und so früh wie möglich auf einem See zu starten. Während ich mir noch Eier koche und Obst fertig mache, kommt mir der Große Plöner See in den Sinn. 

Ich mache mich auf den Weg, und als Einsetzstelle wähle ich die Fischerei Reese. Die Fischerei wurde inzwischen aufgegeben, aber ich denke, ich muss ohnehin die Situation vor Ort prüfen und fahre dort also vor.

Leider ist das Gelände abgesperrt, und ich wende meinen Bus und fahre zum Bootshafen als nächstgelegene weitere Einsetzstelle.

leeres Holzkanu im Bootshafen Plön

leeres Holzkanu im Bootshafen Plön

Während ich mein Kanu ablade und startklar mache, beobachte ich einen männlichen Gänsesäger, der langsam im Hafenbecken umher schwimmt. Allerdings ist er recht scheu und schwimmt zum See, als ich ihn zu fotografieren versuche.

vom Bootshafen auf den Großen Plöner See hinaus

vom Bootshafen auf den Großen Plöner See hinaus

Um mich herum ist es ungewohnt still, wo Plön doch sonst so stark von Verkehrslärm geplagt ist. Auch Menschen treffe ich jetzt keine. Ich genieße die Stille, und langsam lasse ich mein Holzkanu unter dem Eisenbahndamm hindurch auf den Plöner See hinaus gleiten.

Den Gänsesäger kann ich noch beobachten, er schwimmt in Richtung der Insel Olsborg. Für ein brauchbares Foto ist er schon zu weit entfernt.

Ich möchte es zwar ganz ruhig angehen lassen, habe aber ein Ziel: wo der Viererseegraben in den Großen Plöner See mündet und dadurch die einzige Verbindung darstellt, möchte ich meine Frühstückspause machen. Ich habe etwa 4 km zu paddeln, und während ich ganz langsam mitten über den großen See paddle, erstaunt mich das Fehlen der Wasservögel und Möwen etc. Die scheinen allesamt noch zu schlafen oder anderweitig beschäftigt zu sein.

Ich messe die Wassertemperatur mit etwa 13 Grad. Die Luft scheint ebenso warm zu sein.

 

ganz früh auf dem Großen Plöner See

ganz früh auf dem Großen Plöner See

Auf den vier Kilometern bis zu meinem Ziel treffe ich nur einmal ein Angelboot, und ein weiteres ist in der Ferne zu sehen. Die Luft ist klar, so dass ich recht gute Fernsicht habe. Ich meinen Gedanken erlebe ich verschiedene Situationen, in denen ich hier draußen war: mit Gundula, mit Gundula und Alex, und auch ein paar Mal allein. Meistens war der See dabei glatt, aber manchmal war auch sportlicher Einsatz gefragt. 

Wasservögel machen sich immer noch rar. Gegen sieben Uhr lege ich am kleinen Strand an. Ich packe mein Essen aus und meinen Tee. 

Rastmöglichkeit am Viererseegraben

Rastmöglichkeit am Viererseegraben

Einmündung des Viererseegrabens in den Großen Plöner See

Einmündung des Viererseegrabens in den Großen Plöner See

Frühstück an der Einmündung des Viererseegrabens

Frühstück an der Einmündung des Viererseegrabens: .. in den großen Plöner See

Während ich mich stärke, erkunde ich die örtlichen Gegebenheiten, wie ich es immer mache. Am Graben wurden einige Eschen gefällt. Zu meiner großen Freude hallt der Gesang von Mönchsgrasmücken und Zaunkönigen durch das Ufergehölz. Auch ein Schwarzspecht klopft ganz in meiner Nähe, lässt sich jedoch nicht blicken.

in Richtung Bosau

in Richtung Bosau

Nach einer guten halben Stunde Pause setze ich meine Kanutour in Richtung Bosau fort. Ich bewundere das wilde Ufer mit unzugänglichem Auengehölz und kleinen Wasserflächen hinter der normalen Uferlinie. Ein paar hundert Meter vor mir hat sich ein sehr großer Trupp von Wasservögeln nieder gelassen. Ich hatte sie bereits im Anflug beobachtet, es sind Grau - und Kanadagänse, Kormorane und irgendwelche Enten, die ich nicht bestimmen kann. Als dieser große Trupp plötzlich mit panischen Rufen auffliegt, denke ich sofort an Seeadler. Tatsächlich ist auch bald einer zu sehen. Er kommt von der westlichen Seeseite, überfliegt die noch im Wasser verbliebenen Vögel und verschwindet im hohen Gehölz am östlichen Ufer.  Viele Gänse und Kormorane kehren zu ihren Artgenossen zurück.

Alarm bei den Wasservögeln

Alarm bei den Wasservögeln: der gilt aber nicht mir...

Als ich fast die Landzunge vor dem kleinen Bischhofssee erreicht habe, bricht auf einmal wieder das große Chaos aus: 

Seeadler auf der Jagd

Seeadler auf der Jagd: auf dem Großen Plöner See

Pause am Bischofssee

Pause am Bischofssee

Pseudo-Rastplatz in Bosau

Pseudo-Rastplatz in Bosau

Am sogenannten Rastplatz in Bosau lande ich an. Rohrsänger hüpfen hier singend im Schlif umher. Es sind die ersten, die ich in diesem Jahr rufen höre. (Sogenannt, weil man dort weder sein Kanu ablegen darf noch zelten, wo es doch ein Zelt Icon auf dem Schild gibt).

Katrin und Frank wollten heute auch auf dem Großen Plöner See unterwegs sein. Ich sende meinen Standort zu ihnen, und sie teilen mir mit, dass sie nun auch in Plön sind und dort ebenfalls in den Bootshafen einsetzen. Wir verabreden uns lose für ein Treffen bei der Mündung des Viererseegrabens, aber ohne feste Uhrzeit. Da sie weiter entfernt sind, sollte es kein Problem für mich sein, dort früh genug einzutreffen.

Bald sitze ich wieder in meinem Kanu und paddle langsam zu der Lücke hinüber, die zwischen Festland und Bischofswerder geblieben ist. Durch diese möchte ich wieder in den Großen Plöner See paddeln. Schwalben umfliegen mich, und zu meiner großen Freude sind viele von ihnen neben den gewöhnlichen Rauchschwalben als Uferschwalben zu erkennen (Uferschwalben sind kaum gefärbt, nur schmutzig-braun und nur ganz wenig weiß)! 

 

vom Bischofssee in den Großen Plöner See

vom Bischofssee in den Großen Plöner See

Während ich auf die Lücke zu paddle, fliegen Brandgänse umher und einige Kiebitze versuchen Möwen zu verjagen. Ich höre auch die durchdringenden Rufe einiger Austernfischer und Flussuferläufer. Mir wird bewusst, wie sehr ich es immer wieder genieße, langsam an diesen unbewaldeten, lang gestreckten Inseln am östlichen Ufer des Großen Plöner Sees entlang zu paddeln, um in gebührendem Abstand interessante Wasservögel beobachten zu können. 

Kormorane, Kanada-  und Graugänse am Bischofswerder

Kormorane, Kanada- und Graugänse am Bischofswerder

Inselbewohner im Großen Plöner See

Inselbewohner im Großen Plöner See

Brandgänse auf der Insel Bischofswerder

Brandgänse auf der Insel Bischofswerder

Abbruchkante als Nistmöglichkeit für die Uferschwalben und Brandgänse

Abbruchkante als Nistmöglichkeit für die Uferschwalben und Brandgänse

Während ich am Bischofswerder vorbei paddle, umfliegen mich wieder etliche Uferschwalben, die mit Rauchschwalben zusammen niedrig über dem Wasser nach Insekten jagen. Ich sehe die höheren Abbruchkanten auf der Insel, die ihnen den Bau von Bruthöhlen ermöglichen. Auch die Brandgänse, die ich gesehen habe, könnten hier brüten. Sie graben ebenfalls Höhlen in höhere Ufer, und manchmal nutzen sie auch verlassene Bisamhöhlen oder sogar alte Fuchsbaue.

Besonders erfreue ich mich die nächsten 1,5 km bis zu meinem Ziel darüber, dass mich permanent Küstenseeschwalben umfliegen und auf ihre überaus eindrucksvolle und elegante Weise fischen. Sie stoßen sich kopfüber ins Wasser, und nicht selten fangen sie dabei tatsächlich einen kleinen Fisch. Kurz vor dem Treffpunkt sind dann sogar zwei Trauerseeschwalben dabei! für Fotos sind sie leider viel zu schnell. So habe ich nur unscharfe, die mir lediglich als Beweisfoto dienen. Immerhin kann ich anhand der schwarzen Köpfe und Hälse sicher sein, es tatsächlich mit Trauerseeschwalben zu tun zu haben, wie ich später am Rechner sehen kann.

der britische Paddler fährt, Frank und Katrin kommen

der britische Paddler fährt, Frank und Katrin kommen

Allmählich komme ich am Viererseegraben an. Während ich mich hier aufhalte und dem vielfältigen Gesang der Vogelwelt lausche, plätschert es und ein Kajak kommt den flachen Graben entlang. Ein Mann bewegt sich langsam und am Ende auch mühsam hin zum tieferen Wasser des Sees. Ich begrüße ihn freundlich und er antwortet mit der Frage, ob es auch in Englisch ginge. Ich tausche mich mit dem Engländer über die vielfältigen Möglichkeiten aus, die dieses Paddelrevier bietet. Er wohnt in Plön, und er möchte auch demnächst mal bis ganz nach Kiel paddeln. Ich empfehle ihm noch den Kauf einer guten Gewässerkarte bei FlussInfo, bevor er auf den See hinaus paddelt.

Frank und Katrin in der Ferne

Frank und Katrin in der Ferne: auf dem Großen Plöner See nahe dem Ruhlebener Werder

Während ich mich mit dem Engländer unterhielt, sah ich Frank und Katrin immer näher kommen. Ich freue mich sehr auf unser spontanes Treffen hier am Viererseegraben. Die beiden kennen diese Stelle noch nicht, und ich denke, sie sollten den gegenwärtig relativ hohen Wasserstand nutzen, auch einmal den Vierersee zu erkunden.

Katrin im olivfarbenen Kajak

Katrin im olivfarbenen Kajak

Während der englische Paddler in Richtung Stadt paddelt, landen Frank und Katrin bei mir an. Es gibt einiges zu erzählen, und wir tauschen uns gut gelaunt über Naturerlebnisse und weitere Pläne aus. Zu essen gibt es auch etwas.

Treffen am Viererseegraben

Treffen am Viererseegraben

Wir erleben zusammen eine sehr schöne Pause, und wir werden von Radfahrern und Wanderern recht gut verschont. 

Frank auf dem Weg zum Vierersee

Frank auf dem Weg zum Vierersee

Katrin auf dem Weg zum Vierersee

Katrin auf dem Weg zum Vierersee

Nachdem Katrin und Frank im Viererseegraben davon paddeln, mache ich mich still auf den Weg nach Plön zurück. Ich bin bereits recht müde. Es ist halb zwölf, und es wird für mich Zeit, eine richtige Pause zu Hause einzulegen und auch, meinen Mittagskaffee zu mir zu nehmen. Der aufkommende Wind hilft mir vorwärts zu kommen. Aber ich lasse mir auch viel Zeit. Es bringt mir nichts, schnell sein zu wollen und mich dadurch zu sehr zu beanspruchen. Ich beobachte lieber, was um mich herum passiert.

zurück im Holzkanu

zurück im Holzkanu

Ich genieße den Blick auf die zerklüftete Inselwelt, die diesen Hauptteil des Großen Plöner Sees von der Ascheberger Bucht trennt. Diese Landschaft gehört zum Schönsten, das man in Schleswig-Holstein finden kann. 

Immer wieder überfliegen mich Seeschwalben und stoßen von Zeit zu Zeit ins Wasser, um kleine Fische zu erbeuten. Einige Paddler sind jetzt in Mietkanus unterwegs. Es geht aber noch recht ruhig zu.

Segelboot vor der Durchfahrt zur Ascheberger Bucht

Segelboot vor der Durchfahrt zur Ascheberger Bucht: zwischen Prinzeninsel und Langes Warder

In der Stadtbucht sind schon einige Segler unterwegs, die den noch sehr schwachen Wind nutzen möchten. Als ich ein Motorboot höre, denke ich zuerst an die DLRG, aber dann erkenne ich, dass es das Begleitboot des Segelvereins sein muss, das für die Vorbereitung einer Regatta eingesetzt wird. Tatsächlich hat es einige gelbe, längliche Markierungsbojen an Bord, die der Bootsführer nach und nach an verschiedenen Punkten verteilt und verankert.

Dann kommen auch bereits die ersten Segeljollen, und es werden Kommandos erteilt. 

Ein Haubentaucher auf dem Großen Plöner See

Ein Haubentaucher auf dem Großen Plöner See

Inselparadies im Großen Plöner See

Inselparadies im Großen Plöner See

Graugans auf dem Großen Plöner See

Graugans auf dem Großen Plöner See

Während ich an den Inseln Ruhlebener Warder und Olsborg vorbei paddle, lasse ich mir sehr viel Zeit. Teilweise lasse ich mich sogar nur vom schwachen Rückenwind treiben. Dabei lausche ich den Rufen der Wasservögel und Singvögel. Auf der Insel Olsborg, die dicht bewaldet ist, sind es hauptsächlich Mönchsgrasmücken, die mich mit ihrem Gesang erfreuen. Aber auch Singdrosseln markieren mit kräftigem, markanten Gesang ihr Brutrevier.

Es fliegen auch immer wieder einige Wasservögel auf, wie Schellenten, Brand- und Graugänse. Ein Haubentaucher kommt mir sogar recht nahe.

Rückweg zum Bootshafen in Plön

Rückweg zum Bootshafen in Plön

Je näher ich der inneren Stadtbucht komme, umso mehr Paddler sehe ich das linke Ufer entlang in meine Richtung paddeln. Die werden wohl die Stadtrundtour machen, denke ich. Eine kleine Gruppe lässt mich freundlicherweise vor, so dass ich in den Bootshafen einfahren kann, bevor weitere 10 Kanus dort alles blockieren, weil sie ja am kleinen Wehr alle einzeln über die Rollenbahn müssen, was nicht ganz so flott zu machen ist.

zurück im Bootshafen Plön

zurück im Bootshafen Plön

Als ich im Bootshafen zurück bin, ist es kurz nach dreizehn Uhr. Ich habe noch kleine Gespräche mit einem Paddler aus Schleswig, der mir  am Ende meines Packens auch hilft, mein Holzkanu wieder zum Auto zu bringen. 

Es ist fast 20 Grad warm, und ich freue mich sehr, heute so früh unterwegs gewesen zu sein. So viel Betrieb wie jetzt ist nichts für mich.

Geschrieben in Kanutagebuch (2020)