Kanu & Natur

ein persönliches Blog von Jürgen Clausen

Auf der Warnow von Gustävel an aufwärts am 17. Juni

Geschrieben am 22.06.2022 in Kanutagebuch (2022) —   Mecklenburg, Warnow (Geändert am 25.07.2022)

frühmorgens an der Warnow

frühmorgens an der Warnow

Wir sind heute bereits vor vier Uhr auf den Beinen. Noch dringt im Nord-Westen das Mondlicht durch den Nebel über dem Warnow-Tal, aber im Osten lässt das erste Morgenlicht den baldigen Sonnenaufgang erahnen. 

Allmählich erwacht auch die Natur um uns herum: eine Singdrossel beginnt ihre ersten Strophen, zunächst ganz leise, dann immer kräftiger. Rotkehlchen, Zaunkönige und sogar schon die Rohrsänger lassen sich auch nicht lange bitten und bereichern das Morgenkonzert. Kraniche rufen in einiger Entfernung.

Während wir unsere Küche aufbauen, um Kaffee zu kochen, lassen sich auch die Gebirgsstelzen, Bachstelzen sowie Rauchschwalben blicken. Auf der Wiese im Osten steht eine Mutterkuhherde mit ihren Kälbern etwas weiter entfernt, ist aber bereits am grasen.

Dort stehen auch einige Graureiher, und wir entdecken sogar einen Silberreiher.

Auf der abgemähten Wiese auf der anderen Seite der Warnow können wir zwei Kraniche beobachten. Zwischen ihnen liegt etwas Braun-Rotes, und ich dachte zunächst an einen jungen Kranich. Katrin schaut durch ihr Fernglas und erkennt, dass wir es mit einem jungen Reh zu tun haben. Inzwischen ist es auch aufgestanden.

an der Warnow in Gustävel

an der Warnow in Gustävel

Bis wir alles gepackt haben, ist es bereits nach sieben Uhr. Ich begreife immer nicht, wie schnell die Zeit vergeht! Zum Glück gibt hier jetzt eine vernünftige Einsetzstelle mit Schwimmsteg (seit letztem Jahr). Wir paddeln langsam gegen leichte Strömung in Richtung Straßenbrücke und weiter zum Mickowsee. 

Die Rufe von Drosselrohrsängern hallt über den ganzen See, und eine Schwanenfamilie und einige Silberreiher beleben den kleinen See. Am blauen Himmel erscheint ein Vogel, und meine Vermutung, dass es sich dabei um einen Fischadler handeln könnte, bestätigt sich sehr bald, als er etwas näher kommt. Er unternimmt einige Fangversuche, und währenddessen erscheint sogar noch ein weiterer. 

Fischadler über dem Mickowsee

Fischadler über dem Mickowsee

rüttelnder Fischadler über dem Mickowsee

rüttelnder Fischadler über dem Mickowsee

Anhand der Bojen finden wir ganz leicht die Stelle, an der die Warnow in den Mickowsee mündet. Wir paddeln sehr langsam die Warnow aufwärts, die Strömung ist immer noch schwach. Die Ufer sind hier besonders wild, und wir entdecken etliche Bibergleiten und Fressplätze.

Ausfahrt aus dem Mickowsee

Ausfahrt aus dem Mickowsee

Auf einem bizarr geformten, sehr stark verwitterten Totholz, das sich etwas über das Ufer zur Wasseroberfläche neigt, sitzt ein Graureiher. Der sieht sehr malerisch aus, und er fliegt natürlich wie erwartet auf, als wir uns nähern.  Aus dem dichten Gehölz am gegenüber liegenden Ufer hören wir etwas Seltsames: eine Mischung aus grunzen und schnarchen. Ich denke im ersten Moment an ein Wildschwein, aber schnell wird mir klar, dass es erwachsene Biber sein müssen, die dort ihr sozialen Beziehungen pflegen.

Warnow oberhalb des Mickowsee

Warnow oberhalb des Mickowsee

Direkt danach überrascht uns ein großer Vogel, der aus einer der sehr hohen Erlen auffliegt, als wir vielleicht zwanzig Meter entfernt sind. Er sucht sich einen neuen Platz auf hohen Uferbäumen, nicht allzu weit entfernt. Als wir ihm zu nahe kommen, was sich nicht vermeiden lässt, sehen wir, dass es ein Seeadler ist! Unsere Freude ist natürlich sehr groß, nur für ein Foto reicht die Zeit nicht. Wohin der Seeadler fliegt, können wir nur ahnen: wahrscheinlich zurück auf seinen ersten Ansitz.

Pause bei Zaschendorf

Pause bei Zaschendorf

Hier im Naturschutzgebiet ist es nicht leicht, für eine Pause die Warnow zu verlassen und an Land einen ebenen Platz mit festem Grund zu finden, wo der Bewuchs kurz genug ist. Letztlich sind wir bereits kurz vor unserem Ziel Zaschendorf, als wir entdecken, dass sich links ein Feldweg ganz nah der Warnow befindet. Direkt neben der Mündung des Flüsschens "Glöwe", das aus Kuhlen-Wendorf kommt, liegt eine einigermaßen ebene Brachfläche, die festen Grund hat und gemäht ist. 

Picknickpause an der Warnow

Picknickpause an der Warnow

Das Ufer ist recht hoch, aber mit ein paar Tricks können wir aus dem Kanu aussteigen. Wir suchen uns die beste Stelle aus und bauen dort unsere Möbel auf. Gegen die kräftig scheinende Sonne schaffen wir ein wenig Schatten, indem wir den Anglerschirm aufspannen und ihn zwischen Klapptischchen und meiner Kiste befestigen.

Während wir uns am Obst, Müsli und Keksen stärken, kommt ein ausgewachsener Hase auf uns zu gehoppelt. Dieses Mal habe ich meine Kamera griffbereit, und der Hase ist geneigt, uns ausreichend Zeit zu gewähren, um ein paar Fotos realisieren zu können. Am Ende war nicht mehr als sechs Meter von mir entfernt!

Während wir uns entspannen und stärken, passiert einmal ein Traktor mit einem Heuwender die kleine Brücke über den Nebenfluss und auch der Bürgermeister von Zaschendorf fährt vorbei in seinem auffälligen Pickup. Man grüßt sich freundlich. 

Hase am Weg

Hase am Weg: nahe der Warnow

Nach dem Essen liegen wir noch eine Weile faul im Halbschatten, bevor wir alles einpacken und ins Kanu schaffen. Ich finden noch ein kräftiges Holz, dass ich  mit meinem Paddlerbeil in die Böschung rammen kann, um daran eine Leine als Slip drumherum laufen lassen zu können. Auf diese Weise können wir unser Kanu gut festgehalten und trotzdem mühelos frei kommen, sobald wir auf unserem Plätzen sind (einfach loslassen und das Ende auffieren). Die Büsche, die wir anfangs zum Festmachen nutzten, wären für den Zweck zu weit entfernt gewesen.

Warnow bei Zaschendorf

Warnow bei Zaschendorf

Bei leichter Strömung paddeln wir gemächlich nach Gustävel zurück. Auf dem Mickowsee treffen wir einige Seeschwalben sowie zwei Silberreiher. Auch die Schwanenfamilie zieht immer noch ihre Bahn. Wir erreichen Gustävel gegen halb zwei. Dort ist gerade ein Menschenauflauf, es stehen Fahrzeuge herum, neue kommen angefahren, auch Rettungswagen und Feuerwehr. Wir befürchten, etwas könnte passiert sein, als man auch noch ein Schlauchboot zu Wasser lässt. Es kommt ein weiteres Schlauchboot zum Einsatz. Bald ist aber klar, es wird hier nur eine Übung abgehalten, scheinbar eine Kooperation zwischen der Feuerwehr Sternberg und der Bundeswehr. Drei voll besetzte Schlauchboote treiben die Warnow abwärts in Richtung Schönlage.

zurück an der Umtragestelle Gustävel

zurück an der Umtragestelle Gustävel: an der Warnow

Die Fahrzeuge entfernen sich allmählich. Nachdem sich auch der Staub verzogen hat, steigen wir aus unserem Kanu, packen unsere ausrüstung in den Bus und verladen das Kanu. Bevor wir zu unseren nächsten Station fahren, essen wir noch gemütlich im Schatten unseres Autos, während einige Gebirgsstelzen, Bachstelzen und Rauchschwalben um uns herum fliegen und sich manchmal auf Gehölzen oder Pfählen hiederlassen. Um 15:00 Uhr verlassen wir Gustävel. 

Geschrieben in Kanutagebuch (2022)